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„Deutsche Messe öffnet Messegelände für 5G-Tests“

Deutsche Messe mit neuem Angebot
„5G auf dem Messegelände testen“

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5G Smart Venue lautet der Name eines neuen Angebots der Deutschen Messe AG. Dahinter stehe die Chance, Innovationen im Zusammenhang mit der 5G-Mobilfunktechnologie in einer realen Umgebung einfach testen, demonstrieren und weiterentwickeln zu können, fasst Marcus Eibach, Project Director 5G die Zielsetzung der Hannoveraner zusammen. Da das Messegelände über urbane Strukturen verfügt, aber einen in sich geschlossenen Raum bildet, fallen Sicherungsmaßnahmen deutlich geringer aus. 5G Smart Venue richtet sich damit an alle, die derzeit 5G-Anwendungsszenarien entwickeln und Test- sowie Demonstrationsmöglichkeiten suchen.

» Interview: Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION

elektro AUTOMATION: Welche Zielsetzung verfolgt die Deutsche Messe mit dem Angebot ‚5G Smart Venue‘?

Marcus Eibach (Deutsche Messe): Vieles rund um die Mobilfunktechnologie 5G wird smart und intelligent – das gilt auch für unser Messegelände. Damit machen wir klar, dass wir nicht nur unsere Hallen modernisieren wollen, sondern in gleichem Maße die Infrastruktur, insbesondere die Kommunikationsinfrastruktur bezüglich der drahtlosen Datenübertragung. Wir wollen sowohl als Veranstalter als auch als Geländebetreiber innovativ sein. Das erlaubt es uns, zwischen und während Messen unser Gelände – inklusive der Verkehrsinfrastruktur, den großen Freiflächen und Parkplätzen – für das Forschen und Testen bis hin zu Technologiedemonstrationen zu öffnen. Damit unterstützen wir die Entwicklung eines Ecosystems rund um die Mobilfunktechnologie – und unser Gelände wird intelligent.

elektro AUTOMATION: Im Mittelpunkt steht damit das 5G-Campusnetz, also ein privat betriebenes 5G-Netz, das Sie weiter ausbauen?

Eibach: Exakt – und das verbinden wir mit dem mit 1,5 Millionen Quadratmetern größten Messegelände Europas zu einem bislang einzigartigen Angebot, dem 5G Smart Venue. Das Campusnetz bauen wir in enger Partnerschaft mit der Deutschen Telekom schrittweise zu einem hochinnovativen Multifunktions-Campus aus, wobei ein hybrides Netz entsteht. Auf diese Weise verfügen wir über ein privates Netz, welches neben 5G-Smart-Venue-Nutzern auch Messe und Austellern dient, parallel zur Versorgung mit dem öffentlichen 5G-Netz auf dem Gelände. Das ermöglicht eine sehr leistungsfähige Versorgung mit 5G-Mobilfunktechnologie.

elektro AUTOMATION: Mit Ihrem 5G-Messegelände ist die Deutsche Messe ja auch Partner im Konsortium Testfeld Niedersachsen – was mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur eine von vielen Möglichkeiten darstellt, das smarte Messegelände zu nutzen?

Eibach: Über das Konsortium Testfeld Niedersachsen sind wir Teil einer Gruppe bestehend aus dem Bundesland Niedersachsen sowie niedersächsischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die in engem Schulterschluss und mit gemeinsamer Finanzierung ein Testfeld in Niedersachsen aufbauen. Unser Ziel ist hier, fortschrittliche Fahrerassistenzfunktionen sowie automatisierte und vernetzte Mobilität in der Praxis zu erproben. Nach der hochgenauen Vermessung des Messegeländes durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet die SMEV AG als erster 5G-Smart-Venue-Kunde unterschiedliche Szenarien mit autonomen Einsatzfahrzeugen unter 5G-Bedingungen. Betonen möchte ich aber, dass das nur eine der möglichen Anwendungen ist, unser Messegelände inklusive 5G-Campusnetz zu nutzen.

elektro AUTOMATION: Das wirft die Frage nach weiteren möglichen Anwendungen auf?

Eibach: Auch wenn das automatisierte, vernetzte Fahren sicherlich eines der zentralen Anwendungsszenarien ist, gibt es weit mehr Möglichkeiten, das 5G Smart Venue im Zuge der Entwicklung innovativer Zukunftstechnologien zu nutzen. Dazu ist es hilfreich zu verstehen, dass wir nicht nur Verkehrsinfrastruktur anbieten, sondern im Grunde urbane Strukturen – im Gegensatz zu öffentlichen Bereichen aber in einem völlig abgeschlossenen und geschützten Umfeld. Damit schließen wir eine Lücke, denn nun kann ich Anwendungsszenarien im urbanen Umfeld erschließen – ohne aber den enormen Aufwand treiben zu müssen, dies im öffentlichen Raum sicher durchführen zu können.

elektro AUTOMATION: Lassen sich einige konkrete Anwendungen nennen?

Eibach: Ein sehr spannendes Thema sind Drohnen, da ein 5G-Smart-Venue-Nutzer natürlich auch den Luftraum über unserem Gelände überfliegen darf. Insbesondere in einem experimentellen Stadium ist es dabei von unschätzbarem Vorteil, wenn man solche Szenarien ohne große Sicherheitsrisiken erproben kann. Weitere Anwendungsbereiche sehen wir in dem großen Themenkomplex ‚Smart City‘ – das kann vom Smart Parking über die Gesichtserkennung per Bildverarbeitung in Echtzeit bis hin zu vielen Fragestellungen der Logistik reichen, die alle von der per Mobilfunk möglichen Datenverfügbarkeit enorm profitieren können. Etwa im Bereich von Logistik und Distribution – gerade auch beim Verlassen eines Gebäudes hinaus auf die Straße und zurück. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Themenbereich Smart Manufacturing – wir sind überzeugt, dass sich viele 5G-Anwendungsszenarien erst jetzt entwickeln und damit noch gar nicht abgeschätzt werden kann, was alles möglich sein wird.

elektro AUTOMATION: Da Sie das Thema Smart Manufacturing ansprechen: Einer Ihrer Partner ist ja auch Siemens. In Halle 9 baut das Unternehmen dazu ein eigenes Netz auf, um die smarte Fertigung demonstrieren zu können?

Eibach: So ist es – und sie bauen das Netz natürlich mit eigenen Komponenten auf. Da wir das Siemens-Netz abseits der Messen mit nutzen dürfen, haben 5G-Smart-Venue-Kunden zudem die Möglichkeit, Tests in verschiedenen Netzen durchzuführen – bis hin zu einem Netzwechsel, etwa beim Verlassen der Halle. Hier ergeben sich spannende Aufgaben, das im Detail zu erarbeiten. Ganz generell bietet zudem das Smart Manufacturing ein enormes Potenzial – man denke nur an eine Vision von Bosch Rexroth, bei der zunächst von einer leeren Halle ausgegangen wird. In dieser wird dann Produktionsequipment flexibel und dynamisch zusammengestellt – abhängig von den jeweiligen Anforderungen. Dabei könnte etwa auch der Strom induktiv über den Hallenboden zugeführt werden. Eine zentrale Voraussetzung solcher Szenarien ist natürlich eine hochverfügbare drahtlose Kommunikation – nur so können die jeweiligen Komponenten und Subsysteme zusammengeführt werden.

elektro AUTOMATION: Ist auch für die Telekom das 5G-Campusnetz der Messe als Demonstrator interessant?

Eibach: Die Deutsche Telekom hat schon früh deutliches Interesse an diesem Projekt gezeigt, ihr Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges war zweimal persönlich bei uns. In der Tat bietet sich das Campusnetz bei uns als Demonstrator an – im Gegensatz etwa zu einem Campusnetz eines Flughafens, das ja möglichst im Verborgenen einfach nur funktionieren soll. Auf dem Messegelände kann man dagegen zeigen, wie ein solches Netz gemanagt wird und wie sich Parameter wie Sendeleistung oder Ausleuchtung beeinflussen lassen. Nicht vergessen darf man dabei auch, dass abseits der Pandemiezeiten jährlich rund zwei Millionen Fachbesucher nach Hannover kommen – und damit viele Menschen, die sich für solch ein Campusnetz oder die Mobilfunktechnologie im Allgemeinen interessieren. 5G wird auf diese Weise greifbar!

Eines unsere Ziele ist deswegen auch, eine Art Shopping-Mall für 5G-Technologie und Anwendungen zu schaffen. Am Ende können so 20 oder 25 Partner von uns sehr praxisnah zeigen, welche Leistungen speziell sie rund um die Mobilfunktechnologie anbieten können. Naheliegend sind die beiden Startunternehmen dabei die Deutsche Telekom und Siemens.

elektro AUTOMATION: Lassen Sie uns abschließend einen Blick auf den Netzaufbau werfen – wie ist der aktuelle Status?

Eibach: Seit Februar 2021 sind wir dabei, unser 5G-Campusnetz auszubauen – im ersten Schritt auf dem kompletten Freigelände und dann schrittweise neben der Halle 9 auch in den Hallen 16/17 und 19/20. Das alles wird bis September fertiggestellt sein. Eine wichtige Rolle spielt – gerade mit Blick auf den Aufbau eines digitalen Verkehrssystems – auch die bereits eingangs erwähnte exakte Vermessung der Infrastruktur durch das DLR. Dabei entsteht eine hochgenaue Karte des Messegeländes, in der sich jedes Objekt auf 20 Zentimeter genau orten und lokalisieren lässt. Das legt auch die Basis für die Simulation eines sehr komplexen Verkehrsgeschehens – so wie es als Prototyp schon anlässlich der ersten 5G CMM Expo Ende 2019 in der Halle 17 zu sehen war. Dort hatte das DLR ein entsprechendes Testfeld aufgebaut – wobei real nur ein Auto in der ansonsten leeren Halle unterwegs war. Das komplette Verkehrsgeschehen war digital erzeugt.

Kontakt:
Deutsche Messe
Messegelände
30521 Hannover
Tel. +49 511/89-0
info@messe.de
5gsmartvenue.com



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