Norbert Hauser, Kontron

Feldbusse und andere proprietäre Systeme werden ersetzt

Feldbusse und andere proprietäre Systeme
Norbert Hauser, VP Marketing, Kontron Bild: Kontron
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Neben optimierten Prozessen und effizienteren Maschinen gehe es immer mehr darum, neue digitale Geschäftsmodelle und damit neue Umsatzfelder zu erschließen, sagt Norbert Hauser, VP Marketing bei Kontron. Die Zeit sei reif für das Zusammenwachsen von IT und OT – sowie für den Einzug von Internetprotokollen und IT-Standards auch auf der Feldebene.

elektro AUTOMATION: Auf der SPS IPC Drives 2018 wurde die Verantwortung für die Standardisierung rund um das Thema Time-Sensitive Networking (TSN) in Verbindung mit dem M2M-Kommunikatonsprotokoll OPC UA mehr oder weniger an die OPC Foundation deligiert. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

Norbert Hauser (Kontron): Insgesamt haben sich auf der SPS IPC Drives 21 führende Unternehmen der Automatisierungsbranche zum Start dieser Initiative zusammengeschlossen. Kontron als Anbieter von Hard- und Software sowie Services rund um TSN, IoT und Industrie 4.0 begrüßt diesen Schritt, denn damit ist die Durchschlagskraft klar beschrieben. Wir sind überzeugt, dass zum einen unsere Angebote von Herstellerseite sowie die Initiativen aus Anwenderunternehmen zum anderen das Thema TSN und OPC UA sehr schnell voranbringen werden. Kontron ist selbst Mitglied in zahlreichen Standardisierungsgremien und -Initiativen. Deshalb wissen wir, welche Dynamik von einem derartigen Engagement ausgehen kann. Zwar hat die Initiative eine gemeinsame Stoßrichtung, es wird jedoch spannend sein zu sehen, wie sich die einzelnen Unternehmen bei diesen neuen Technologien und Standards positionieren.

elektro AUTOMATION: Bleibt die aufgrund der Anzahl an Unternehmen bislang treibende ‚Shaper-Gruppe‘ dem Thema verbunden oder löst sie sich auf?

Hauser: Wir gehen davon aus, dass das Engagement der Shaper Group in das formelle Umfeld der OPC-Foundation überführt wird beziehungsweise wurde. Die Shaper Group war die treibende Kraft, die das Thema geordnet und Verbündete gefunden hat, so dass es als entscheidendes und wichtiges Thema in der Industrie Akzeptanz fand. Mit der OPC Foundation ist ein Dach gefunden, unter dem der Standardisierungsansatz sehr gut aufgehoben ist und in einem formellen Rahmen vorangetrieben werden kann. Das zeigte ja schon der Auftritt auf der Messe SPS IPC Drives im November 2018.

elektro AUTOMATION: Das Zeug zu einem echten Industrie-4.0-Kommunikationsstandard hat OPC UA over TSN – wird es diesen auch ‚auf die Straße‘ bringen können oder erleben wir nach Feldbussen und Industrial-Ethernet-Systemen zum dritten Mal eine Zunahme proprietärer Kommunikationsprotokolle für die Industrie 4.0?

Hauser: Kontron war seit dem Aufkommen von OPC UA over TSN überzeugt, dass dieser neue Standard mittel- bis langfristig das Potenzial dazu hat, Feldbusse und andere proprietäre Kommunikationsprotokolle abzulösen. Oder, um es anders zu formulieren, die Zeit ist reif für das Zusammenwachsen von IT und OT sowie für den Einzug von Internetprotokollen und IT-Standards auf der Feldebene. Der Digitalisierungsdruck auf die Industrie ist mittlerweile so hoch, dass nicht nur alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, Prozesse zu optimieren und Maschinen effizienter auszunutzen. Es müssen durch neue digitale Geschäftsmodelle auch neue Umsatzfelder erschlossen werden. Das kann nur gelingen, wenn es eine durchgehende Kommunikation gibt, von Business-Intelligence-Analysen in der Cloud über ERP-Ergebnisse bis hin zu MES-Systemen und den Aktoren und Sensoren an Maschinen und Geräten. Kontron sieht sich dabei als ‚Enabler‘ und bietet nicht nur die geeignete Hardware in Form von Embedded Industrial Computern und Intelligent Edge Gateways an, sondern, über sein Schwesterunternehmen S&T Technologies, auch das IoT Software Framework SUSiEtec, welches die Verbindung zwischen den verschiedenen Kommunikationsebenen und Geräten in der Automatisierungspyramide herstellt.

elektro AUTOMATION: OPC UA over TSN hat sich in den Testbeds als noch leistungsfähiger erwiesen als erwartet. Gleichzeitig hat im November 2018 die OPC Foundation eine Initiative gestartet, OPC UA einschließlich TSN für den Einsatz bis in die Feldebene zu ertüchtigen. Ist damit die Aussage hinfällig, dass sich OPC UA over TSN gut für die Kommunikation und Synchronisierung von Fertigungszellen bis hinauf in die ERP-Ebene eignet, in der Fertigungszelle selbst aber leistungsfähigere Feldbus- beziehungsweise Industrial-Ethernet-Systeme zum Einsatz kommen müssen?

Hauser: Kontron ist überzeugt, dass OPC UA over TSN mittel- bis langfristig Feldbusse und andere proprietäre Systeme ersetzen kann. Die Ergebnisse des Testbeds bestätigen unsere Einschätzung auf der technischen Seite. Natürlich wird es noch einige Zeit dauern, bis komplette Prozesse, Maschinenparks und Fertigungsstraßen vollständig auf OPC UA over TSN umgestellt sind. Wichtige Faktoren hierbei werden die Kosten für die Anschaltung von Sensoren/Aktoren an OPC UA over TSN sein sowie die Verfügbarkeit dieser Feldkomponenten seitens der Hersteller. Wir werden es aber eher früher als später erleben, dass für neue Anlagen OPC UA over TSN in Betracht gezogen wird, da wir damit ähnlich wie heute schon in der Consumer-Welt das Plug&Play-Prinzip in der Industrie mit ‚Plug&Produce‘ realisieren. Die Kostenersparnis für die Inbetriebnahme und Wartung der Anlagen sowie die Schulung der Mitarbeiter von bisher komplexen heterogen vernetzten Systemen auf eine einfache homogene Vernetzung wäre enorm. Ist es einmal soweit, dann wird es auch nicht mehr lange dauern, bis bestehende Anlagen in Folge von Aktualisierungen oder Renovierungen ebenfalls mit entsprechender Hard- und Software ausgestattet werden. Heute hat der Feldbus noch seine Berechtigung, die Frage ist, wie lange noch?

www.kontron.de


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