Rittal stellt Schaltschranksystem VX25 vor

Nachfolger des TS 8 fokussiert Wertschöpfungskette

Rittal stellt Schaltschranksystem VX25 vor

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Im Schaltschrankbau rücken die Prozesse der Wertschöpfungskette in den Fokus – alles muss schneller, besser und effizienter werden. Wie dies mit einem von Grund auf verbesserten Produkt gelingt, zeigt Rittal mit dem neuen Großschranksystem VX25, das den TS 8 ablöst. Im Interview erläutert Uwe Scharf, Geschäftsbereichsleiter Global Business Unit Industrie bei Rittal, die Vorteile des Systems und dass der erste VX25 auf Basis des digitalen Zwillings verkauft wurde – bevor der erste reale Schrank existierte.

Interview: Irene Knap und Michael Corban, elektro AUTOMATION

elektro AUTOMATION: Herr Scharf, das Schaltschranksystem VX25 löst den TS 8 ab – was kann man an solch einem System verbessern?

Uwe Scharf: In der Tat sehen die meisten in einem Schaltschrank nichts revolutionäres – wir natürlich schon, denn wir sind in die Entwicklung unseres neuen Großschranksystems VX25 mit all der Erfahrung gegangen, die wir über die rund 15 Millionen produzierten Einheiten des TS 8 gesammelt haben. Zusätzlich haben wir im Rahmen einer groß angelegten, wissenschaftlich fundierten Usability-Studie hinterfragt, wie sich Arbeitsabläufe und -prozesse in der Praxis noch weiter verbessern lassen. Obwohl sich dabei herausstellte, dass unsere Kunden mit dem TS 8 zufrieden waren und noch sind, ergaben sich 150 konkrete Anforderungen an einen neuen Schaltschrank. In der Summe konnten unsere Entwickler darauf aufbauend zahlreiche Lösungsvorschläge machen, die dann zusammen mit einem Kundenbeirat bewertet wurden. Am wichtigsten ist dabei: Mit seinen vielen Produktinnovationen im Detail setzt der VX25 Maßstäbe im Bereich des effizienten Steuerungs- und Schaltanlagenbaus – in den Fokus rückt mit ihm die Industrie-4.0-Wertschöpfungskette.

elektro AUTOMATION: Können Sie uns einige der Punkte nennen, die in der Nutzeranalyse benannt wurden?

Scharf: Man kann das zusammenfassen als eine sehr hohe Varianz aus Sicht des Anwenders – beginnend bei der Anzahl verschiedener Komponenten bis hin zur Anzahl unterschiedlicher Werkzeuge, die in der Montage zum Einsatz kommen. Oder ganz praktisch: Gibt es bei der Türmontage zu viele Möglichkeiten, muss die Tür teils mehrfach angehoben werden, bis alles passt – das ist nicht nur schwer und mühselig, es kostet auch Zeit und damit Effizienz. Beim VX25 lassen sich die Türen deswegen nun einfach und ohne ein Werkzeug in die Scharniere einhängen, das umständliche Herausschieben der Scharnierstifte entfällt. Und selbst wenn eine Türöffnung bis 180 Grad gefragt ist, entfällt beim VX25 die sonst übliche zusätzliche mechanische Bearbeitung der Tür – allein durch diese konstruktive Innovation können pro Tür bis zu 30 Minuten Arbeitszeit eingespart werden.

elektro AUTOMATION: Bei der Produktpräsentation anlässlich der Hannover Messe 2018 wurde vor allem das neue Profil hervorgehoben…

Scharf: …weil es eine Kernkomponente des neuen Schaltschranksystems ist. Wir haben dazu 200 Profile von drei Entwicklerteams untersucht. Ein wesentliches Ziel dabei war, die zwei Profile beim TS 8 durch ein symmetrisches Profil zu ersetzen. Um die in der Bodengruppe erforderliche höhere Stabilität zu erreichen, entschied man sich damals beim TS 8 für ein separates Profil. In der Praxis führte aber die damit verbundene Aufgabe der Symmetrie zu einer Reihe von Nachteilen – die Vorteile beim VX25 hinsichtlich Teilreduzierung und Montageerleichterung entstehen erst durch den Einsatz eines einzigen Profils mit voller Symmetrie. Anders formuliert: Im VX25 passt alles an jede Stelle – ohne dass mit Blechwinkeln hantiert werden muss. Weitere Vorteile sind, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit deutlich geringer ist und die Lagerhaltung einfacher. Der Anwender hat nun viel eher beispielsweise das passende Chassis auf Lager liegen. All diese Aspekte entlang der kompletten Wertschöpfungskette werden immer wichtiger.

elektro AUTOMATION: Was sprach beim Profil für ganze drei Entwicklerteams?

Scharf: Parallel zu unserem Team aus der Serienentwicklung haben wir die gleiche Aufgabe einem externen Team und einem mit Mitarbeitern aus unserer Produktion gestellt – der daraus entstehende sportliche Wettbewerb hat alle enorm motiviert und zu dem gewünschten optimalen Ergebnis geführt. Interessant war, dass die Fokussierung auf nur ein Profil mit voller Symmetrie unabhängig voneinander alle drei Teams aufgegriffen haben. Letztlich kam das Profil dann von unseren Stammentwicklern, aber in die DNA des VX25 sind Ideen aller drei Teams eingeflossen. Spannend waren übrigens auch die unterschiedlichen Herangehensweisen: Die Stabilität eines Schrankes lässt sich per Finite-Elemente-Simulation berechnen oder man baut einen Schrank und ‚wirft ihn durch die Halle‘, um das Ergebnis zu begutachten – beide Wege funktionieren!

elektro AUTOMATION: Eingangs hatten Sie schon den Blick auf die Wertschöpfungskette des Steuerungs- und Schaltanlagenbaus gelenkt – unter anderem tragen dazu die Flachteile des VX25 einen QR-Code. Was ist die Idee dahinter?

Scharf: Der QR-Code wird mehrere Funktionen haben. Zunächst dient er der Identifizierung des Bauteils, sowohl des Schrankes an sich als auch der Zubehörteile. Hier genügt ein Scan, um Zugriff auf alle verfügbaren Informationen zu erhalten. Im nächsten Schritt kann aber auch unser Kunde die Möglichkeit nutzen, den QR-Code in eigene Logistikkonzepte einzubinden. Gehen beispielsweise einzelne Teile separat zum Lackierer, können alle Bestandteile des Schrankes anschließend über den QR-Code wieder zusammengeführt werden. Das erleichtert den Schritt in die Digitalisierung. Darüber hinaus denken auch wir bereits an eine digitale Schaltplantasche – das ließe sich sehr einfach an das neue Cloud-Angebot ‚Store Share View‘ unserer Kollegen von Eplan koppeln, bei dem der Kunde selbst weitere Daten hinterlegen könnte. Hier werden wir weitere Schritte in Richtung Digitalisierung gehen.

elektro AUTOMATION: Baut Rittal selbst damit sein Konzept des durchgängigen Schaltschrankbaus, vom Entwurf bis hin zur automatischen Fertigung des Schrankes aus?

Scharf: Exakt – beispielsweise bei der automatischen Fertigung von individuellen Ausbrüchen, das zieht sich jetzt noch stringenter über das ganze Produkt hinweg. Manuelle Prozessschritte entfallen damit nach und nach. Insbesondere gilt das auch für uns selbst in unserem Werk Rittershausen: Hier entsteht derzeit eine hochmoderne Großschrankfertigung nach den Prinzipien von Industrie 4.0 – mit durchgängiger Digitalisierung von Prozessen und vollautomatisierten Profilier-, Schweiß- und Flachteilefertigungsanlagen. Hier investieren wir derzeit 120 Millionen Euro, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Zu den Prozessverbesserungen zählen übrigens auch wissensbasierte Systeme, die kontinuierlich durch Datenvernetzung und -analyse weiterentwickelt werden. Durch permanente Soll-Ist-Abgleiche der Fertigungsmaschinen und statistische Verfahren können wir Trends in Echtzeit rechtzeitig erkennen und Störgrößen reduzieren.

elektro AUTOMATION: Kann man beim VX25 auch von einem digitalen Zwilling sprechen?

Scharf: Auf alle Fälle – interessanterweise hat sich letztes Jahr auch der erste Kunde für den VX25 entschieden, auf Basis des Digital Twins, den er in seiner Konstruktion bereits einsetzen konnte. In gewisser Weise eilte also tatsächlich der digitale Zwilling dem realen Produkt voraus.

elektro AUTOMATION: Abschließend die Frage: Wie kompatibel ist der VX25 zum TS 8 – müssen Ihre Kunden nun ‚umkonstruieren‘?

Scharf: Definitiv nicht, obwohl wir keine hundertprozentige Kompatibilität zum TS 8 angestrebt haben. Warum? Weil das letztlich die Chance auf echte Innovation nimmt. Entscheidend ist aber: Wir haben 25 Prozent Gleichteile mit dem TS 8 – und zwar überall da, wo es wichtig ist. Will heißen: VX25 und TS 8 lassen sich anreihen und die Größen sind identisch, auch bezüglich der Grundfläche. Unsere Kunden können damit ihr Engineering 1:1 übertragen. Zudem bieten wir noch eine weitere Hilfestellung, unter anderem webbasierte Umstellungshilfen für den Wechsel vom TS 8 zum VX25. Konkret heißt das: In Rahmen eines Schaltschrankprojektes in Pro Panel von Eplan werden wo erforderlich alle Teile des TS 8 durch die des VX25 ersetzt, das funktioniert in der Regel zu 80 bis 90 Prozent ohne Probleme. Gibt es mehrere Alternativen, kann ich manuell wählen.

www.rittal.de

Weitere Details zum neuen Großschranksystem:

hier.pro/DTpyE


PLUS

VX25 – das neue Großschranksystem im Überblick

Mit dem VX25 hat Rittal ein neues Großschranksystem auf den Markt gebracht. Die Entwickler griffen dabei auf den Erfahrungsschatz mit dem Vorgänger, dem Schaltschranksystem TS 8 zurück. Ziel war, mit dem VX25 einen Schaltschrank zu entwickeln, der die Durchlaufzeiten in Engineering und Montage verkürzt, die Komplexität reduziert und sich als vollwertiger Baustein in den Megatrend Digitalisierung einfügt. Als Ergebnis kristallisierten sich 150 systematisch erhobene und konkrete Anforderungen an den neuen Schaltschrank heraus, die Rittal um die Erkenntnisse des ebenfalls eingebundenen Kundenbeirats ergänzte. Kern der Innovation war die Entwicklung eines komplett neuen Rahmenprofils. Dieses entscheidet über den Bauraum, die Effizienz bei Engineering und Montage, die Erweiterungsmöglichkeiten, die Stabilität und damit die Sicherheit und Flexibilität in der Werkstatt des Kunden. Zu den Vorteilen des Systems zählen:

  • Der VX25 unterstützt den Steuerungs- und Schaltanlagenbau auf dem Weg zu Industrie 4.0. Mit der Kombination aus realem Schaltschrank und seinem digitalen Zwilling erfüllt er in Zukunft alle Digitalisierungsanforderungen – von Online-Konfiguration und Engineering bis hin zu Automatisierung und Tracking in der Fertigung.
  • Einfache und fehlerfreie Konfiguration – auch ohne CAD-Kenntnisse: Der VX25 und die gewünschten Ausbaukomponenten lassen sich über das webbasierte Rittal Configuration System zusammenstellen. Rittal vereinfacht zudem die Bestellprozesse durch den angebundenen Online-Shop sowie webbasierte Umstellungshilfen für die Umstellung vom TS 8 auf das Großschranksystem VX25.
  • Reduzierte Komplexität: Die meisten verbesserten Funktionalitäten basieren auf dem neuen VX25-Rahmenprofil. Es ist bei gleichem Gewicht deutlich stabiler. Weitere Vorteile ergeben sich durch das durchgehende 25-mm-Maßraster. Bei der Neuentwicklung ist es gelungen, durch eine volle Symmetrie die Komplexität in der Schaltschranktechnik deutlich zu reduzieren. Die Anzahl der Gleichteile wurde signifikant erhöht. Das Ergebnis bedeutet für den Anwender, dass er weniger Teile und damit weniger Lagerfläche für Zubehörartikel vorhalten muss.
  • Da das neue Rahmenprofil im 25-mm-Maßraster jetzt auch in den horizontalen Teilen des Rahmens verwendet wird, ist der Ausbau des Schaltschranks auch über Schrankgrenzen hinweg extrem flexibel. Dadurch lassen sich Zubehörteile viel variabler verwenden. Typisches Beispiel sind Ausbauschienen, die nun sowohl für die vertikale als auch die horizontale Montageebene gleich sind. Auch bei angereihten Schaltschränken setzt sich das 25-mm-Maßraster im benachbarten Schaltschrank fort. Dadurch lassen sich beispielsweise Schienen über mehrere Schränke hinweg montieren.
  • Durch das neue Rahmenprofil erschließt sich eine neue Zugänglichkeit von allen vier Seiten des Schaltschranks. So lässt sich die äußere von zwei verfügbaren Montageebenen jetzt auch von außen direkt ohne Zusatzteile bestücken. Gleiches gilt für die neue Möglichkeit, Montageplatten auch von hinten einzubauen. Dies ist speziell beim Einbau von schwer bestückten Montageplatten ein großer Vorteil.
  • Bei allen Flachteilen wurde konsequent das Prinzip der ‚Ein-Mann-Montage‘ umgesetzt. Möglich wird dies etwa durch die neue Einhängehilfe, die das Flachteil – etwa eine Seitenwand – sowohl horizontal führt als auch vertikal sicher in Position hält, während die Schrauben angezogen werden. Auch die Türen lassen sich einfach und ohne ein Werkzeug in die Scharniere einhängen. Das umständliche und teils nicht ergonomische Herausschieben der Scharnierstifte kann dadurch komplett entfallen.
Der VX25 soll ‚ticken‘ wie der Steuerungs- und Schaltanlagenbauer denkt und handelt: in Funktionen und Prozessen

Video-Tipp

Im Rahmen der Hannover Messe 2018 stellte Michael Schell, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement bei Rittal, das neue Großschranksystem VX25 auch am Messestand ausführlich im Video vor.

hier.pro/17tEF

Bild: Konradin Mediengruppe
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Video aktuell

VX25 - Michael Schell, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement bei Rittal, stellt das neue Großschranksystem vor.

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