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VDMA-Interviews zu TTIP

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VDMA-Interviews zu TTIP

Dr. Winfried Ehrhardt Bild: Claude Beaubien-Fotolia / Römheld
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Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zwischen der Europäischen Union und den USA polarisiert die Gesellschaft. Die Maschinen- und Anlagenbauer begrüßen die geplante Schaffung eines großen Wirtschaftsraums ohne Zollschranken, aber mit gemeinsamen Regularien und Standards für über 800 Millionen Menschen. In einer Interview-Serie lässt der VDMA Vertreter aus den unterschiedlichsten Teilbranchen des Maschinenbaus zum Thema TTIP zu Wort kommen.

Interview mit Dr. Winfried Ehrhardt, Geschäftsführer der Römheld GmbH. Das international ausgerichtete Unternehmen aus dem hessischen Laubach ist Spezialist auf dem Gebiet der hydraulischen Spanntechnik für die spanende Fertigungstechnik.
Was nützte TTIP Ihrem Unternehmen?
Dr. Winfried Ehrhardt: Ein Freihandelsabkommen wäre für uns sehr günstig. Wir produzieren heute einen kleinen Teil unseres Sortiments in den USA. Mit TTIP würden wir mehr in Amerika produzieren, nicht nur für den dortigen Markt, sondern auch für den europäischen. Umgekehrt wäre es einfacher, Produkte für unsere amerikanischen Kunden in Deutschland herzustellen. Wir sind seit 1982 in Amerika mit einem Joint Venture vertreten und das funktioniert über all die vielen Jahre sehr gut. Aber Amerika ist eben von der Zollabwicklung her gesehen wie ein Drittland zu behandeln und nicht so wie ein Land aus der EU. Die gesamten Abwicklungsprozeduren sind anders. Es wäre wünschenswert, wenn das nicht so wäre.
Trifft das auf den gesamten deutschen Maschinenbau zu?
Dr. Ehrhardt: Für die Maschinenbauer wäre das insgesamt nützlich. Ein auf den Maschinenbau bezogener barrierefreier Produktaustausch, einheitliche Standards, Wegfall von Zöllen, wäre wirtschaftlich ratsam. Der Maschinenbau ist Teil des Produzierenden Gewerbes und damit kommt der Nutzen der Volkswirtschaft insgesamt zugute.
Fürchten Sie nicht den zunehmenden Wettbewerb durch die Amerikaner?
Dr. Ehrhardt: Natürlich bekommen wir mehr Wettbewerb. Das ist selbstverständlich. Auf der anderen Seite haben wir aber auch größere Chancen, unsere Produkte auf dem amerikanischen Markt zu verkaufen, weil wir sie günstiger anbieten können, wenn die Kosten, wie z. B. der Zoll, entfallen. Unsere Branche ist außerdem in Europa und in den USA in einer vergleichbaren Größe. Wegen der relativen Stärke des Euro gegenüber dem Dollar haben wir sowieso das Problem, immer ein wenig teurer zu sein.
Ist TTIP grundsätzlich gut für uns?
Dr. Ehrhardt: Alle reden von TTIP und vom Freihandel, aber bei näherer Betrachtung merkt man, dass bislang kein klar formuliertes Ziel vorgegeben ist. In der Welt gilt die Regel des Stärkeren, des Größeren. Der größte Einzelne sind in diesem Fall die USA. Da ist zu befürchten, dass nicht auf Augenhöhe verhandelt wird. Es geht darum zu erklären, was man eigentlich unter Freihandel versteht. Das muss eingegrenzt werden. Zudem muss die europäische Verhandlungsposition deutlich werden. Der Begriff Freihandel scheint alles zu klären, tatsächlich lässt er aber einen großen Raum für Interpretationen.
Was muss in dieser Situation geschehen?
Dr. Ehrhardt: Der ganze Prozess muss viel transparenter werden. Erst dann kann man sich doch überhaupt ein Urteil erlauben. Bei einem solch komplexen Thema wie TTIP ist es wichtig, dass die Ziele verständlich gemacht werden. Bislang wird hinter verschlossenen Türen verhandelt, und man kennt die Prioritäten der Verhandlungspartner nicht.
Ist das ursächlich dafür, dass viele gesellschaftliche Gruppen gegen TTIP sind?
Dr. Ehrhardt: Die Ablehnung in Teilen der Öffentlichkeit ist oft eine direkte Folge dieser Ungewissheit. Man müsste einfach die Verhandlungspositionen sehen können. Bislang bleibt vielfach nichts anderes übrig, als zu spekulieren. Es geht ja um keine Kleinigkeit. TTIP soll ein umfassendes Werk werden, das den freien Warenaustausch ermöglicht. Das hört sich gut an, aber so ein Abkommen wird leicht unüberschaubar. Für den Maschinenbau ist das, wie gesagt, relativ einfach und insgesamt gut. Aber wie sieht das mit den Dienstleistungen aus, mit der Finanzbranche oder mit Industriebranchen, die ganz andere Verflechtungen mit den USA haben? Diese Fragen müssen beantwortet werden.
Wie kann man denn einen Erfolg von TTIP erreichen?
Dr. Ehrhardt: Es gibt aus meiner Sicht zwei Varianten, eine Minimalvariante und eine Maximalvariante. Das Dazwischenliegende macht immer Abgrenzungen und Einschränkungen nötig. Im ersten Fall beschränkt man sich erfolgreich auf einige wenige, überschaubare Branchen, wie den Maschinenbau beispielsweise. Hier kann man Zollschranken fallen lassen und gemeinsame Standards setzen oder deren gegenseitige Akzeptanz herbeiführen.
Und die Maximalvariante?
Dr. Ehrhardt: Die geht über den Handel hinaus. Ich würde es positiv sehen, wenn ein wirtschaftliches Kooperationsabkommen entstünde, das gemeinsame Interessen und Grundsätze dieses Wirtschaftsraums vertreten würde. Dazu gehörte, dass man sich einigte über Ernährungsfragen, über Sicherheitspolitik oder über Forschungsaustausch, um nur einige zu nennen. Damit bewegte man sich einen großen Schritt aufeinander zu. Je mehr dieser Verflechtungen man hat, desto schwieriger ist es, Konflikte eines Landes mit anderen auszutragen.
Die USA streben auch mit den pazifischen Anreinern ein Freihandelsabkommen an. Könnte es dann nicht schaden, wenn die EU außen vor bliebe?
Dr. Ehrhardt: Ja, das wäre dann für uns schon schwieriger. Für uns im Maschinenbau wäre das auf jeden Fall schädlich. Zumindest für die kleineren Unternehmen. Die großen haben sich längst mit eigenen Niederlassungen in China etabliert. Für die wird es weniger ein Problem sein, als für kleine, die dort nicht produzieren.
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