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Experten erklären die Vorteile der Kleinspannungstechnik im Bereich Antriebe

Dezentrale Antriebstechnik
Experten erklären die Vorteile der Kleinspannungstechnik im Bereich Antriebe

Kleinspannungstechnik AGV emv antriebe
Kleinspannungstechnik gewinnt im Bereich der Antriebe immer mehr an Relevanz, was bereits heute bei der Entwicklung von AGVs und Cobots deutlich wird. Zudem gibt es mittlerweile extrem kleine und leistungsfähige Optionen, die es möglich machen, sperrige Schaltschrankantriebe zu ersetzen Bild: max3d007/stock.adobe.com
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Kleinspannungstechnik mit 24 beziehungsweise 48 Volt gewinnt im Bereich der Antriebe immer mehr an Relevanz. Insbesondere bei Automated Guided Vehicles und Cobots kommt diese Technik bereits verstärkt zum Einsatz, aber auch in dezentralen Anlagen der Industrie. Branchenexperten erklären im Trendinterview der elektro AUTOMATION welche Gründe diese Entwicklung hat und welche Vorteile die Klein- beziehungsweise Niederspannungstechnik den Anwendern bringt.

Interview: Johannes Gillar, stellvertretender Chefredakteur elektro AUTOMATION

elektro AUTOMATION: In der Antriebstechnik lässt sich ein Trend hin zur Kleinspannung mit 24 beziehungsweise 48 Volt beobachten. Welche Gründe gibt es dafür?

Andreas Böhringer (AMK): Typischerweise geht es bei 24-VDC- oder 48-VDC-Antrieben in erster Linie um Schutz für Personen bei direktem oder indirektem Berühren. Dazu gibt es zwei Kleinspannungsarten: SELV (Safety Extra Low Voltage) und PELV (Protective, Extra Low Voltage). SELV wird zum Beispiel typischerweise dann eingesetzt, wenn der Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel eine Gefahr darstellt (zum Beispiel bei Schwimmbädern). Außerdem sind Low-Voltage-Antriebe meistens etwas günstiger als die Antriebe, die über eine 560-VDC-Versorgung angesteuert werden.

Wolfgang Mohr (Heidrive): Treibende Kraft dieses Trends ist der industrielle Aufschwung durch Industrie 4.0. Mit Hilfe dieses Organisationsgestaltungskonzeptes soll eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion möglich werden: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und kooperieren direkt miteinander. Assistenzsysteme unterstützen den Menschen in sämtlichen Aufgaben. Dezentrale Anlagen, AGVs (Automated Guided Vehicle) und cyberphysische Systeme (Roboter) sind in der Lage, eigenständige Entscheidungen zu treffen und Aufgaben möglichst autonom zu erledigen. Um diese Mobilität zu ermöglichen, bedarf es kompakter (smarter) Systemkomponenten, die sowohl auf elektrischer, als auch auf digitaler Ebene einfach und schnell miteinander vernetzt werden können. Dabei lassen sich Betriebsspannungen im Kleinspannungsbereich leichter handhaben als Netzspannungen, für die auch heutzutage noch schwere und große Umformtechnik bis hin zu aufwendigen EMV-Filtermaßnahmen benötigt wird.

Johannes Moosmann (Ebm-Papst): Hierfür gibt es viele Gründe mit unterschiedlichen unterlagerten Motivationen. Ein Grund liegt sicherlich in der Modularisierung der Maschinenkonzepte und der damit einhergehenden Dezentralisierung der Antriebskomponenten. Kompakte, multifunktionale Kleinspannungsantriebe können direkt und ohne Wirkungsgradverluste dort eingesetzt werden, wo das Drehmoment benötigt wird. Ein weiterer Grund ist sicherlich im Streben nach kostenoptimalen Lösungen zu sehen. So ist zu beobachten, dass mehr und mehr Maschinen- und Anlagenbauer neben einem klassischen Zwischenkreis in Niederspannung eine zweite Spannungsversorgung in Schutzkleinspannung in neueren Generationen vorsehen. Hiermit werden Kompaktantriebe, die eher als Hilfsachse (zum Beispiel klassische Formatversteller) fungieren, versorgt und ersetzen einen klassischen AC-Servomotor mit abgesetztem Umrichter; dies bietet beachtliche Einsparpotenziale. Ein weiterer Grund ist in den steigenden Anforderungen an die Energieeffizienz von elektrischen Maschinen zu sehen. Legt man einen bürstenlosen Gleichstrommotor auf Basis einer Synchronmaschine zugrunde, ist die gegebene Energieeffizienz eines solchen Antriebs im Vergleich zu klassischen AC-Käfigläufermotoren deutlich besser. Auch die aktuell im Wandel befindlichen Anforderungen innerhalb der Intralogistik unterstützen diesen Trend. Ortsfeste Stetigförderer werden vermehrt durch flexiblere Konzepte ersetzt. Vermehrt kommen fahrerlose Transportsysteme zum Einsatz. Diese werden standardmäßig mittels fahrzeugintegrierten Batterien mit Gleichstrom versorgt. Die Verwendung von Gleichstrommotoren ermöglicht die direkte Versorgung.

Karl Schelmbauer (Maxon): Gründe sind unter anderem, der vermehrte Einsatz von Akkus und Batterien in Geräten, als Ersatz für Pneumatik, Hydraulik und Netzspannung (230 VAC). Da hier oftmals auch die unterschiedlichsten Bussysteme Anwendung finden, ist eine Systemspannung von 24/48 VDC bereits vorhanden, was Kosten durch zusätzliche Spannungsversorgungen oder DC/DC-Wandler einsparen kann. Ein weiterer Grund ist der sehr gute Gesamtwirkungsgrad auf Systemebene.

Stefan Tröndle (Dunkermotoren): Diese Spannungen entsprechen der Sicherheitskleinspannung (bis 60 Volt). Der elektrotechnische Aufbau der Maschine vereinfacht sich dadurch. Im Segment Motive werden bei LKWs, deren Bordspannung 24 Volt beträgt, verstärkt mit elektrischen Antrieben zum Heben, Zurren, Öffnen, Schließen und Pumpen verwendet. Zunehmend werden mobile Geräte (Gabelstapler, AGV, AGC, Shuttle) rein elektrisch betrieben und verfügen über Akkumulatoren. Deren Spannung liegt häufig bei 48 Volt. Selbst bei Ladevorgängen werden die 60 Volt in der Regel nicht überschritten.

elektro AUTOMATION: Beim Betrieb mit 24 oder 48 Volt treten relativ hohe Ströme auf. Wo liegen die Vorteile dieser Technik, wo stößt die Kleinspannungstechnik an ihre Grenzen?

Böhringer (AMK): Der größte Vorteil liegt sicherlich beim Schutz für den Anwender. Darüber hinaus gibt es für solche Antriebe eine Vielzahl an Bauteilen und Steckern am Markt, da die Sicherheitskleinspannung im End-User-Bereich weit verbreitet ist. Das führt dann auch zu günstigen Einspeisungen, weil entsprechende Netzteile massenhaft verfügbar sind. Die Grenzen werden bei großen Strömen mit dementsprechend großen Anschlüssen und Leitungsquerschnitten erreicht. Durch den erhöhten Platzbedarf sind die Geräte gegebenenfalls entsprechend groß. Dazu kommt auch der Kostenaspekt, da beispielsweise bei großen Querschnitten viel Kupfer verwendet wird. Auch die großen Biegeradien von Kabeln können dann zu Problemen bei Kabelschlepp-Applikationen führen. Bei dezentralen Antrieben beispielsweise ist die Anzahl der Geräte pro DC-Strang durch eine begrenzte Strombelastbarkeit im Kabel und der Anschlusstechnik stark limitiert.

Mohr (Heidrive): Im Vergleich zu den in der Industrie gängigen Spannungen von 400-690 VAC sind bei 48 VDC erheblich geringere Anforderungen an die Isolation gestellt. Gemäß der DIN EN 61140 handelt es sich dabei um Sicherheitskleinspannung (SELV). Bei Spannungen unter 25 Volt Wechselspannung oder 60 Volt Gleichspannung kann gänzlich auf einen Schutz gegen Berühren verzichtet werden. Die Spannung ist so gering, dass elektrische Körperströme im Normalfall ohne Folgen bleiben. Die Nachfrage nach immer kompakteren Anlagen bei gleicher Leistung erfordert Komponenten, welche eine optimierte volumetrische Leistungsdichte aufweisen. Gerade durch die geringeren Isolationsanforderungen bei 24/48 Volt ergibt sich ein erheblicher konstruktiver Vorteil bei der Entwicklung von kleinen und kompakten Maschinen. Hohe Spannungen (230/400 Volt) erfordern hingegen hohe Isolationsabstände beziehungsweise Luft- und Kriechstrecken, sowie den Einsatz von teuren und aufwendigen Isolationsmaterialien. Eine Bauraumoptimierung ist dadurch nur bedingt umsetzbar. Dem Ganzen steht entgegen, das im Bereich von 24/48 Volt deutlich höhere Ströme auftreten als bei höheren Spannungen. In größeren Leistungsbereichen kommt daher bei Kleinspannungen die Versorgungstechnik durch enorme Litzenquerschnitte an ihre physische Grenze.

Moosmann (Ebm-Papst): Die Vorteile liegen ganz deutlich in der vereinfachten Montage und Installation. Aufgrund der im Vergleich geringeren normativen Anforderung an den Umgang mit Geräten in Schutzkleinspannung ist es erlaubt, den elektrischen Anschluss eines Antriebes von Personen ohne Ausbildung zur Elektrofachkraft vorzunehmen. Auch die im Vergleich reduzierten Vorgaben in Bezug auf Luft- und Kriechstrecken bei Motoren in Schutzkleinspannung geben hinsichtlich Auslegung mehr Freiheitsgrade. Begrenzt wird Kleinspannungstechnik durch die in Abhängigkeit der geforderten Motorleistung steigenden Stromstärken. Höhere Ströme resultieren in gehobenen Ansprüchen an die Bereitstellung der Spannungsversorgung, was mit steigenden Anforderungen an die Leitungs- und Anschlusstechnik einhergeht. Einfach zusammengefasst begrenzen wirtschaftliche und physikalische Gründe den sinnvollen Einsatz dieser Technologie.

Schelmbauer (Maxon): Antriebe mit hohen Nennströmen können gut gehandelt werden. Nennströme bis zu 25 Ampère (1000 Watt) können aufgrund des Einsatzes der Maxon-Wicklungstechnologien problemlos gehandelt werden.

Tröndle (Dunkermotoren): Der Vorteil liegt im risikolosen Betrieb und im einfachen Aufbau der Geräte und Anlagen. Kleinspannungen ermöglichen dezentrale Antriebe mit sehr geringem Platzbedarf, da die normgerechten Isolationsabstände deutlich geringer sind als bei Niederspannung. Je leistungsstärker der Antrieb, desto höhere Betriebsspannungen werden gewählt. Bei Anwendungen, in denen mehrere Antriebe gleichzeitig laufen, stößt man mit Kleinspannungen an die Grenze.

elektro AUTOMATION: In welchen Applikationen werden Antriebssysteme mit 24 beziehungsweise 48 Volt typischerweise eingesetzt und welchen Mehrwert haben Anwender davon?

Böhringer (AMK): Zunächst fallen mir hier natürlich AGV-Hersteller ein. Auch für kleine, elektrische Hubzylinder und Applikationen mit Batterien (zum Beispiel Transportsysteme) ist die Kleinspannungstechnik sicher interessant. Insgesamt sehe ich einen sinnvollen Einsatz bei Leistungen im Bereich bis circa 800 bis 1000 Watt, sonst werden die Kabel ziemlich groß.

Mohr (Heidrive): Applikationen sind häufig in transportablen/mobilen Maschinen, wie zum Beispiel AGVs oder Robotern, die mit Energiespeichern betrieben werden, eingesetzt. Bauraum und Gewicht sind entscheidende Faktoren für die Energiebilanz. Je schwerer und größer ein Gerät ist, umso mehr Energie muss aufgewendet werden, um das Gerät zu bewegen. Gerade bei batteriebetriebenen Systemen liegt ein Augenmerk auf dem resultierenden Gesamtgewicht. Elektrische Anlagen im Kleinspannungsbereich benötigen keine aufwendige Isolations- und Umformtechnik, was zu einer deutlichen Reduktion des Gewichtes, der Komplexität und nicht zuletzt zu einer Verminderung der Kosten führt.

Moosmann (Ebm-Papst): Bevorzugt wird diese Technologie in Applikationen eingesetzt, bei denen Hilfsantriebe bis zu einer Leistung von 750 Watt zum Einsatz kommen. Im Bereich der Industrieautomatisation findet man diese ‚kleinen‘ Antriebe beispielsweise im Sondermaschinenbau, in Holzbearbeitungs- oder Verpackungsmaschinen. Auch hier sehen die Anwender den Mehrwert in dem geringen Platzbedarf. Bei dezentralen Ansätzen wird vielfach auch der reduzierte Verkabelungsaufwand als vorteilhaft gesehen. In Applikationen, bei denen die Leistungsversorgung über Batterie erfolgt, bieten Kleinspannungsantriebe aufgrund der direkten Spannungsversorgung klare Vorteile. So zählen beispielsweise innerhalb der Intralogistik fahrerlose Transportsysteme oder Shuttles zu den typischen Einsatzfällen. Der Mehrwert resultiert hier aus der einfachen Leistungsversorgung als auch die geringen Bauabmessungen, verstärkt werden diese Vorteile bei Kompaktantrieben mit integriertem Regler.

Schelmbauer (Maxon): Eingesetzt werden diese zum Beispiel bei Mobilen Anwendungen wie Power Tools, AGV, Mobility-Anwendungen etc. Generell bei Anwendungen mit Akku-/Batteriebetrieb. Vorteile sind: Kompaktheit, Gewicht, hohe Leistungsdichte, Wirkungsgrad.

Tröndle (Dunkermotoren): Typisch für 24 Volt sind die Lkws und zum Teil landwirtschaftliche Maschinen. 24 und 48 Volt finden sich im Maschinenbau, in der Intralogistik, bei AGVs, in der Medizintechnik, im Gerätebau. Der Mehrwert liegt in der einfachen Verkabelung, der Kompaktheit und in den geringen Kosten.

elektro AUTOMATION: Welche Rolle spielen in diesem Spannungsbereich Servoantriebe mit integrierter Elektronik?

Böhringer (AMK): AMK hat bereits vor 15 Jahren die ersten dezentralen Antriebe auf Basis von 48-VDC-Versorgung entwickelt und als Vorreiter diese Technologie erfolgreich vermarktet. Bis heute werden diese Antriebe gebaut und finden Verwendung im Maschinenbau. Auch zukünftig könnten diese wieder mehr an Bedeutung gewinnen, da der Schutz von Personen immer mehr in den Fokus rückt. So können gegebenenfalls auch Personen ohne Elektrofachausbildung die Antriebe anschließen.

Mohr (Heidrive): Die Nachfrage nach Servomotoren mit integrierten Frequenzumrichtern steigt exponentiell an. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In der Industrie gängige Frequenzumrichter sind große und schwere Geräte, die zumeist in Schaltschränken untergebracht werden. Der Trend zur Miniaturisierung, zu kompakten und mobilen Geräten, erfordert neue Konzepte, die keinen Platz für schwere sperrige Schaltschränke vorsehen. Des Weiteren wird der Verdrahtungsaufwand erheblich erleichtert. Zusätzlich werden Anlagen immer mehr in modularen Subsystemen aufgebaut, welche beliebig miteinander gekoppelt werden können. Bei solchen Konzepten ist ein Schaltschrank mit zentraler Regelungs- und Controllertechnik hinderlich. Durch die dezentrale Antriebstechnik sitzt der Regler direkt am beziehungsweise im Motor. Die Schaltschranktechnik lässt sich deutlich reduzieren, stellenweise werden Schaltschränke völlig überflüssig. Das bringt Vorteile bei den Kosten und im modularen Aufbau.

Moosmann (Ebm-Papst): Antriebe in Schutzkleinspannung mit integrierter Elektronik spielen in dieser Kombination ihre Stärke aus. Die Steuerungs- und Regelungsfunktion des Motors ist hier direkt im Antrieb integriert. Diese direkte Integration der Elektronik erweitert den benötigten Bauraum nur minimal, daher nennen wir diese Art von Servomotoren auch Kompaktantriebe. Die Verkabelung zwischen Regler (Umrichter) und Motor entfällt für den Kunden komplett. Diese Verbindung haben wir bereits innerhalb des Motors direkt und sehr robust ausgelegt, auch wird diese Verbindung bereits während der Produktentwicklung auf die Marktanforderungen validiert. Mit Industrie 4.0 und dem Streben nach Dezentralisierung wandern Funktionen zunehmend in die Feldebene, unsere Kompaktantriebe mit integrierter Elektronik unterstützen diesen Trend damit optimal. Im Zuge des IIoT entwickelt sich der Antrieb mehr und mehr zum Sensor, der neben eigenen Zustandsinformationen auch Informationen von weiteren Komponenten dezentral einlesen kann. Vorliegende Daten können einfach für die Themen ‚Condition Monitoring‘ und ‚Predictive Maintenance‘ nutzbar gemacht werden.

Schelmbauer (Maxon): Sie bieten in der Regel eine kompakte Bauweise, geringeren Verkabelungsaufwand, weniger Aufwand beim Engineering (kundenseitig), praktisch ein perfekt abgestimmtes Antriebssystem durch den Hersteller, sowie einfache Anbindung an Bussysteme wie Canopen oder Ethercat bei der Maxon-IDX-Serie.

Tröndle (Dunkermotoren): Eine große Rolle, da der Verdrahtungsaufwand und der Platzbedarf für den Schaltschrank minimiert wird.

elektro AUTOMATION: Permanentmagneterregte Servoantriebe punkten mit Energieeffizienz, Lebensdauer, Leistungsdichte sowie Überlastfähigkeit. Lassen sich diese Vorteile in die Kleinspannungswelt übertragen?

Böhringer (AMK): Im Servobereich spielt es eigentlich keine Rolle, ob eine Wicklung für 12 VDC, 24 VDC, 48 VDC oder 350 VAC erstellt wird, da die verwendeten Materialien wie Magnete, Bleche oder Mechanik oftmals identisch sind und sich nur die Versorgungsspannung und dementsprechend die Wicklung verändert. Natürlich ist es eine Herausforderung, andere Draht-Querschnitte zu wickeln, da die Anschlüsse bei kleineren Spannungen größer werden. Grundsätzlich aber ist dies möglich. Mit höheren Spannungen lassen sich eben einfacher größere Drehzahlen realisieren, aber am Ende des Tages ist es eine Sache der Auslegung. Der Antrieb als solches bleibt hocheffizient, überlastbar und verfügt über eine entsprechend hohe Lebensdauer.

Mohr (Heidrive): Absolut, ja. Die Herausforderung liegt in der idealen Kombination aus Motor und Elektronik. Bauteile müssen aufeinander abgestimmt sein und Optimierungen in sämtlichen Disziplinen (mechanisch, elektrisch, thermisch) angestrebt werden. Zudem ist eine applikationsausgerichtete Auslegung der Servoantriebe unerlässlich. Nur so lässt sich das Optimum von Bauraum, Kosten und Effizienz erreichen. Wir als Firma Heidrive haben speziell für diesen Bereich unseren Servomotoren-Baukasten um die HeiMotion-Dynamic-Baureihe erweitert.

Moosmann (Ebm-Papst): Ein ganz klares Ja. Antriebe mit integrierter Elektronik bieten typischerweise einen beeindruckenden Gesamtwirkungsgrad von über 90 Prozent. Die Lebensdauer wird standardmäßig durch das eingesetzte Lagersystem bestimmt, üblicherweise kann von einer drei- bis vierfachen Überlastfähigkeit ausgegangen werden. Lediglich bei hoch dynamischen Anwendungen ist die Einsatzfähigkeit im Vergleich zu einem High-End-AC-Servomotor begrenzt.

Schelmbauer (Maxon): BLDC-Motoren von Maxon sind permanentmagneterregte Servomotoren, bieten dieselben Vorteile und sogar einiges mehr auf noch kleinerem Bauraum. Als Beispiel kann hier das nicht vorhandene Rastmoment der eisenlosen Maxon-Motor-Serien genannt werden, ein Antrieb ohne Rastmoment ist bei hochgenauen Positionieraufgaben, oder bei Anwendungen die hohe Präzision im Gleichlauf, bei minimaler Geschwindigkeit erfordern unerlässlich.

Tröndle (Dunkermotoren): Absolut, bei Dunkermotoren gibt es solche Lösungen im Leistungsbereich von acht Watt bis zu Spitzenleistungen von 3,9 Kilowatt. Im Durchmesser-Bereich von 22 bis 95 Millimeter werden auch smarte Motoren mit Busanbindung angeboten. Würden wir für unsere Motoren eine Effizienzklasse definieren so läge sie in der Regel bei IEC5, würden also den höchsten Anforderungen genügen.

elektro AUTOMATION: Antriebstechnik und Motion Control sind dafür bekannt, Störungen in ihrem Umfeld zu verursachen. Welche Rolle spielt deshalb die EMV-gerechte Auslegung, wie lässt sich eine kompakte Bauweise und Energieeffizienz sicherstellen?

Böhringer (AMK): EMV ist immer ein Thema vor allem bei dezentralen beziehungsweise motorintegrierten Reglern. Hier ist aber eher der Antriebsregler gefragt und nicht unbedingt der Motor. Auch hier gilt die Prämisse, dass Geräte unabhängig von der Spannung so auszulegen sind, dass die Applikation funktioniert. Ganz egal, ob 400-VAC– oder 48-VDC-Antrieb.

Mohr (Heidrive): Sowohl Störaussendung als auch Störfestigkeit spielen in der Antriebstechnik eine enorm wichtige Rolle. Es ist bereits bei der ersten Auslegung am PC bis hin zu Messungen in akkreditierten Prüflaboren sicherzustellen, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Es muss verhindert werden, dass durch eine Fremdbeeinflussung in der Signalübertragung des Motion Controllers beziehungsweise anderer Komponenten im Umfeld ein unbestimmter Betriebsfall eintreten kann. Eine EMV-gerechte Auslegung spielt sowohl bei höheren als auch bei kleineren Spannungen eine ausschlaggebende Rolle, die bereits in der Entwicklungsphase von Elektroniken berücksichtiget werden muss. Filtermaßnahmen lassen sich bereits im Vorfeld durch eine geeignete Auswahl von Bauteilen oder durch ein optimiertes Layout beeinflussen beziehungsweise auch deutlich reduzieren. Durch gezielte Architektur der Elektroniken inklusive EMV-Filtertechnik lässt sich eine kompakte Bauweise realisieren.

Moosmann (Ebm-Papst): Unsere Kompaktantriebe mit integrierter Elektronik und integriertem Gebersystem bieten dem Anwender gerade diesbezüglich große Vorteile. Aufgrund der Kombination von Motion Control und Antrieb in einem Produkt wird die EMV-gerechte Auslegung bereits in der Produktentwicklung vorgenommen. Diese Gegebenheit erleichtert bei der Maschinenauslegung die Einhaltung der Anforderungen in Bezug auf leitungsgebunde Störaussendung, da am Antrieb im Idealfall nur eine Leitung zur Leistungsversorgung des Antriebs notwendig ist. Sollten in der Zuleitung weitere Themen wie die Versorgung einer integrierten Elektronik oder die Leitungen für digitale I/Os notwendig werden, kann auf am Markt verfügbare Anschlusskabel und -stecker mit verschiedenen Schirmungskonzepten zurückgegriffen werden.

Schelmbauer (Maxon): Grundsätzlich können durch richtige Auslegung und Auswahl der Komponenten schon im Vorfeld viele Probleme vermieden werden, hier beraten wir unsere Kunden sehr gern. Die Maxon-Wicklungstechnologien haben generell ein sehr EMV-freundliches Verhalten. Unsere Antriebe mit integrierter Drehzahl- und Positioniersteuerung, wie unsere IDX-Serie, werden von Maxon auf EMV-Verhalten optimiert und durch ein unabhängiges Labor zertifiziert. Maxon als Anbieter von Systemlösungen bietet zudem dem Kunden die Möglichkeit alles aus einer Hand zu beziehen, ob nun kundenspezifisches Komplettsystem oder Kombinationen aus Motor, Getriebe und Ansteuerelektronik, die einzelnen Antriebskomponenten sind optimal aufeinander abzustimmen, auch unter EMV-Gesichtspunkten.

Tröndle (Dunkermotoren): Insbesondere durch die Integration der Steuerung lassen sich die Antriebe im Punkt EMV optimal gestalten. Eventuelle Störungen werden durch das Metallgehäuse abgefangen und die Anschlussleitungen können abgeschirmt ausgeführt werden.

Details zu Klein- beziehungsweise Niederspannungsantrieben bis 48 Volt


Andreas Böhringer, Leiter Produktmanagement & Technischer Vertrieb, AMK Arnold Müller GmbH & Co. KG
Bild: AMK

„Für kleine, elektrische Hubzylinder und Applikationen mit Batterien, zum Beispiel Transportsysteme, ist die Kleinspannungstechnik sicher interessant.“


Wolfgang Mohr, stellvertretender Technischer Leiter, Heidrive GmbH
Bild: Heidrive

„Im Vergleich zu den in der Industrie gängigen Spannungen von 400 bis 690 Volt sind bei 48 Volt geringere Anforderungen an die Isolation gestellt.“


Johannes Moosmann, Geschäftsbereichsleiter Industrielle Antriebstechnik, Ebm-Papst GmbH & Co. KG, St. Georgen
Bild: Ebm-Papst

„Begrenzt wird Kleinspannungstechnik durch die in Abhängigkeit der geforderten Motorleistung steigenden Stromstärken.“


Karl Schelmbauer, Applikationsingenieur, Maxon Group
Bild: Maxon

„Eingesetzt werden diese zum Beispiel bei Mobilen Anwendungen wie Power Tools, AGV, oder Mobility-Anwendungen. Generell bei Anwendungen mit Akku-/Batteriebetrieb.“


Stefan Tröndle, Produktmanager DC-Antriebe und Getriebe, Dunkermotoren GmbH
Bild: Dunkermotoren

„Kleinspannungen ermöglichen dezentrale Antriebe mit sehr geringem Platzbedarf, da die normgerechten Isolationsabstände deutlich geringer sind als bei Niederspannung.“

 

Kontakt zu den Firmen

AMK Holding GmbH & Co. KG
Gaußstraße 37–39
73230 Kirchheim/Teck
Tel.: +49 7021 5005–0
E-Mail: info@amk-group.com
Website: www.amk-group.com

Ebm-Papst Mulfingen GmbH & Co. KG
Bachmühle 2
74673 Mulfingen
Tel.: +49 7938 81–0
E-Mail: info1@de.ebmpapst.com
Website: www.ebmpapst.com

Heidrive GmbH
Starenstraße 23
93309 Kelheim
Tel.: +49 9441 707–0
E-Mail: info@heidrive.de
Website: www.heidrive.de

Maxon Motor Gmbh
Truderinger Str. 210
81825 München
Tel. +49 89 420493–0
E-Mail: shop.de@maxongroup.com
Website: www.maxongroup.de

Dunkermotoren GmbH
Allmendstr. 11
79848 Bonndorf
Tel.: +49 7703 930–0
E-Mail: info@dunkermotoren.de
Website: www.dunkermotoren.de

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