Schaltschrankbau

Mit dem Kompaktschaltschrank AX löst Rittal den AE ab

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Digitale Durchgängigkeit vom Kunden bis zum Kunden ist für Rittal nicht mehr nur Industrie-4.0-Vision, sondern Realität. Rittal und seine Kunden könnten auf diese Weise ihre Wertschöpfungsketten optimieren, erläutert Uwe Scharf, der als Geschäftsführer bei Rittal die Business Units IT und Industry sowie das Marketing leitet. Mit den neuen Kompaktschaltschränken AX und Kleingehäusen KX sind inzwischen 80 Prozent des Kernportfolios komplett überarbeitet.

Interview: Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION

elektro AUTOMATION: Herr Scharf, schaut man sich das neue Werk Haiger von Rittal an, lässt sich erkennen, dass Sie die Digitalisierung von Produkten und Produktion intensiv vorantreiben. Welchen Nutzen bringt das Rittal und damit Ihren Kunden?

Uwe Scharf: Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie macht nur Sinn, wenn sie Werte schafft. Wir sehen den Nutzen in der Optimierung von Wertschöpfungsketten, so dass wir – genauso wie unsere Kunden – wettbewerbsfähiger werden und unsere Zukunft sichern können. Basis dafür sind zunächst ‚intelligentere‘ Produkte; beispielsweise unsere Kühlgeräte mit digitaler Schnittstelle. Der Anwender kann damit Daten sowohl ‚on the edge‘ verarbeiten oder in die Cloud schicken. Vom ersten Tag an stehen damit über den kompletten Lebenszyklus hinweg Betriebsdaten zur Verfügung, mit denen sich Arbeitsprozesse optimieren lassen. Um es konkreter zu machen: Erst der Zugriff auf diese Daten ermöglicht etwa die Realisierung neuer Geschäftsmodelle rund um die vorbeugende Instandhaltung. Damit lassen sich Fehler vermeiden, bevor Ausfälle entstehen. Aspekte wie diese müssen wir allerdings bereits in unserem Produktentstehungsprozess berücksichtigen. Im nächsten Schritt können wir darauf aufbauend die Wertschöpfungsprozesse generell optimieren – sozusagen vom Kunden bis zum Kunden.

elektro AUTOMATION: Lassen Sie uns zunächst die Fertigung bei Rittal betrachten. Wie profitiert dieser erste Abschnitt vom Kunden bis in Ihre Fabrik?

Scharf: Typischerweise nutzen unsere Kunden heute Online-Konfigurationstools – und die hier generierten Daten bilden die Grundlage für die Ablaufplanung sowie Maschinenprogramme in unseren Werken. Das hört sich trivial an, doch noch vor einigen Jahren war aufgrund der zahlreichen Medienbrüche an eine Umsetzung nicht zu denken. Insbesondere mit dem Werk Haiger ist es uns nun aber gelungen, eine effiziente Produktionsstruktur aufzubauen, die mittels vieler digitaler Einzelprozesse zahlreiche Arbeitsschritte optimiert – sinngemäß aus der Konstruktionsabteilung des Kunden heraus die Arbeitsvorbereitung bei uns beschleunigt. Dies ist einer der Gründe dafür, warum wir in Deutschland nach Auftragserteilung binnen 24 Stunden liefern können. Und nicht zuletzt ermöglicht uns das, ein neues Werk wie Haiger in einem Hochlohnland wie Deutschland zu realisieren.

elektro AUTOMATION: Wie sieht es mit den Wertschöpfungsprozessen bei Ihren Kunden aus?

Scharf: Die Arbeitsprozesse unserer Kunden unterstützen wir zunächst mit den bereits genannten Konfigurationstools sowie den Engineering-Lösungen unseres Schwesterunternehmens Eplan. Daneben haben wir aber auch über die letzten Jahre hinweg zusammen mit dem Kundenbeirat untersucht, wie sich Arbeitsabläufe bei unseren Kunden optimieren lassen. Ein plakatives Beispiel ist, dass wir unsere Gehäuse nicht mehr komplett montiert ausliefern, sondern Montageplatten und Türen separat mitliefern. Warum? Weil unsere Kunden diese Bauteile typischerweise zunächst wieder demontieren. Kaum ein Mensch will an der Montageplatte im beengten Gehäuse arbeiten. Dies zeigt sehr deutlich, wie sich Produkt und Prozesse ergänzen – und wie wir damit die Möglichkeit haben, unseren Kunden ein effizienteres Arbeiten zu ermöglichen.

elektro AUTOMATION: Wie weit sind Sie denn bei den intelligenten Produkten als Basis der Digitalisierung schon vorangekommen?

Scharf: Wir haben unsere Produktlandschaft in den letzten fünf Jahren signifikant verändert und unser Kernportfolio mit den nun neu vorgestellten Klein- und Kompaktgehäusen zu 80 Prozent erneuert – vorangegangen sind ja bereits unser Großschranksystem VX25 sowie die Kühlgeräte der Serie Blue e+. Wie gut der Markt das angenommen hat, zeigt vor allem der VX25, der in Deutschland bei Neuaufträgen bereits einen Marktanteil von 80 Prozent erreicht hat – trotz der häufig damit verbundenen Änderung von Stücklisten, die in den Konstruktionsabteilungen sicher nicht beliebt ist.

elektro AUTOMATION: Welche Vorteile bieten denn die neuen Baureihen AX und KX?

Scharf: Viele Funktionen entstanden wiederum zusammen mit Kunden, so dass wir hier ebenfalls noch besser auf die aktuellen Anforderungen der Industrie eingehen können. Mehr Dezentralisierung, mehr Sensorik und mehr Messtechnik führen auch zu mehr und vor allem komplexeren Kabeln. Glasfaser und Koaxialkabel etwa erfordern zudem die Berücksichtigung unterschiedlicher Biegeradien und ein angepasstes Kabelmanagement. Konkret verwenden wir dazu beispielsweise eine um 30 Prozent größere Flanschplatte für die optimierte Kabeleinführung – bei einem solchen Gehäuse ist das ein signifikanter Nutzen. Der AX – als Nachfolger des AE – wird zudem mit den gleichen Merkmalen wie die Großschränke glänzen – einfacher, flexibler, schneller und sicherer. Konkret umfasst dies unter anderem

  • eine Reduzierung der Teilevielfalt – die gleiche Funktion lässt sich jetzt mit weniger Bauteilen erreichen –,
  • die komplett werkzeuglose Montage der Zubehörteile – was Montagezeit spart –,
  • die Eignung aller Einbauten jetzt auch für dynamische Anwendungen sowie
  • ein optimiertes Dichtungssystem für eine noch höhere Langzeitstandfestigkeit.

In der Summe haben wir zudem die Anzahl der Produktlinien zu Kleingehäusen von fünf auf drei reduziert, was den Auswahlprozess weiter vereinfacht. Nicht außer Acht lassen sollte man auch, dass wir die Qualität weiter steigern konnten. Betonen möchte ich an dieser Stelle aber vor allem noch einmal das Thema der digitalen Durchgängigkeit – und darauf aufbauend der Unterstützung der Wertschöpfungsprozesse bei unseren Kunden.

elektro AUTOMATION: Könnten Sie das hier noch einmal konkreter fassbar machen?

Scharf: Die zugrundeliegende Frage lautet doch: Was erwarten unsere Kunden von einem Schaltschrankhersteller? Früher standen das Produkt, sein Preis und sein Liefertermin im Fokus – hier konnten wir schon immer qualitativ hochwertige Produkte innerhalb kürzester Zeit liefern. Heute erwartet der Kunde aber Unterstützung und Leistungen in allen Arbeitsschritten seiner Wertschöpfung. Das beginnt mit dem Engineering und dem Bereitstellen von Daten – Eplan bietet die entsprechenden Tools, Rittal liefert die Daten direkt mit. Löse ich über die Konfigurationswerkzeuge eine intelligente Bestellung aus, liefern wir nicht nur den Schaltschrank, sondern automatisch auch das Datenmodell des Schaltschrankes – gegebenenfalls schon mit den individuell geplanten Ausbrüchen. Das erleichtert die Bearbeitung der Schaltschränke enorm, die wir zudem mit Maschinen unterstützen, die schon genau wissen, wie unsere Schaltschränke aussehen. Fehler, die später die Produktion negativ beeinflussen könnten, lassen sich so durch intelligente Planung von vornherein vermeiden. Konfigurationstools sind hier gegenüber der Katalogauswahl klar im Vorteil, zudem kann der Kunde umgehend die Bestellung über den Webshop auslösen – und 24 Stunden später steht das Produkt im Steuerungs- und Schaltanlagenbau zur Verfügung. Ganz nebenbei adressieren wir damit eines der Hauptprobleme bei den Anwendern – den Platzmangel. Kann ich mich auf die Lieferung verlassen, kann der Vorrat im Lager geringer ausfallen.

Adressiert wird dann auch die Verdrahtung; 50 Prozent der Effizienz im Schaltschrankbau hat damit zu tun. Die Erfahrung zeigt, dass wir helfen können, 20 bis 30 Prozent schneller zu sein – genau in dieser Prozessberatung liegt die Stärke unseres Digitalisierungskonzepts. Das können wir in unserem Rittal Innovation Center auch zeigen – und adressieren damit gleich ein weiteres Problem im Steuerungs- und Schaltanlagenbau: den Fachkräftemangel. Konkret gelang es einem unserer Kunden etwa, mit gleicher Mannschaft und auf gleicher Fläche seinen Umsatz um 30 Prozent zu steigern – weil er sich nach dem Besuch des Innovation Centers auf die entsprechenden Prozessveränderungen eingelassen hat. Dieser Prozesse Kunde-zu-Kunde ist für uns eine Schlüsseltechnologie – und Basis unserer Digitalisierungsstrategie; mit der neuen Fabrik in Haiger setzen wir hier die komplette digitale Durchgängigkeit um.

elektro AUTOMATION: Lässt sich anhand des Vergleiches der Produktionstechnik für den AE mit der des AX festmachen, welchen Vorteil Ihnen die Digitalisierung heute bietet?

Scharf: Schon die Produktionstechnik für den AE erlaubte uns, mittels großer Pressen hohe Stückzahlen sehr schnell zu produzieren. Mit der modernen Produktionstechnik in Haiger können wir in ähnlicher Geschwindigkeit arbeiten, gleichzeitig aber sehr viel mehr Freiheitsgrade zulassen. Dabei haben wir stets die Wahl, bestimmte Sondermaßnahmen freizuschalten. Wir besitzen nun also die Flexibilität, in Serie zu produzieren – könnten im Extremfall aber auch Losgröße 1 realisieren. Damit Digitalisierung in dieser Weise gelingen kann, muss man das Datenmanagement beherrschen – das ist die Herausforderung.

elektro AUTOMATION: Was dann wieder zu den eingangs erwähnten intelligenten Produkten zurückführt…

Scharf: …exakt – was herausfordernd ist, gerade mit Blick auf die Fertigung. Viele der erforderlichen Daten stehen zumindest heute noch nicht standardisiert in den Datenmodellen zur Verfügung. Ein Großteil der Automatisierung im Steuerungs- und Schaltanlagenbau scheitert aktuell daran – und genau an dieser Stelle setzen wir sowohl mit Produkten als auch Wertschöpfungsprozessen an.

www.rittal.de

Weitere Details zum Portfolio der Kompaktschaltschränke:
hier.pro/MCH3T


Uwe Scharf, Geschäftsführer Business Units IT und Industry sowie Marketing, Rittal
Bild: Rittal

„Der Prozess Kunde-zu-Kunde ist für uns eine Schlüsseltechnologie – und Basis unserer Digitalisierungsstrategie; mit der neuen Fabrik in Haiger setzen wir die komplette digitale Durchgängigkeit um.“


Info

Zur Person

Uwe Scharf (55) wurde zum 1. Januar 2019 zum Geschäftsführer der Rittal GmbH & Co. KG berufen und verantwortet die Business Units IT und Industry sowie das Marketing. Der Elektrotechnik-Ingenieur ist seit 2001 im Unternehmen und richtete zuletzt als Geschäftsbereichsleiter Global Business Unit Industry das Branchenmanagement und das Produktmanagement im Geschäftsbereich Industrie erfolgreich auf die Anforderungen von Kunden und Marktsegmenten aus. Er will vor allem Kunden aktiv bei der Transformation hin zu leistungsfähigen Wertschöpfungsprozessen unterstützen.



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