Interview: Moeller setzt auf Siemens-Automatisierungssoftware

„Kann es nur eine Software geben?“

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Die Neuigkeit auf der diesjährigen Hannover Messe war die Meldung von Siemens und Moeller, die jetzt auf der Software-Seite zusammen arbeiten. Im Zuge dieser Neu-orientierung strukturiert das Unternehmen Moeller nun zudem um, um näher am Kunden und seinen Bedürfnissen zu sein. Das Interview mit Wolfgang Blome, Geschäftsführer bei Moeller, zeigt Hintergründe der Neuausrichtung.

Das Interview führte Martin Kandziora, Redaktion elektro Automation

In dieser Zusammenarbeit mit Moeller öffnet der Siemens-Bereich A&D jetzt erstmals seine Software-Plattform für einen Hersteller, mit dem Siemens in klassischer Weise im direkten Wettbewerb steht. Für die Projektierung, Programmierung sowie das Bedienen und Beobachten wird die Moeller-Firmengruppe zukünftig Simatic-Industriesoftware verwenden. Diese wird im Rahmen einer Kooperation gemeinsam unterstützt und weiterentwickelt.
Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit mit Siemens?
W. Blome: Ausgesprochen gut und problemlos. In beiden Unternehmen wird diese Zusammenarbeit von der Führungsspitze gewollt. So sind auch die Mitarbeiter instruiert und es wird auch tatsächlich gearbeitet. Jedesmal, wenn ich die Projektgruppen frage, spüre ich von beiden Seiten das Engagement, die inhaltsmäßige Tiefe und sehe einen schnellen Fortschritt.
„Ausgesprochen guteZusammenarbeit“
Sind von Siemens bereits Mitarbeiter hier in Bonn implementiert?
W. Blome: Momentan arbeiten Moeller-Mitarbeiter mit verschiedenen Siemens-Abteilungen zusammen. So werden unsere Mitarbeiter von Siemens-Leuten in Düsseldorf trainiert. Der zweite Schritt ist die Spezifikationsphase. Alles läuft sehr schnell, positiv und reibungsarm.
Wann können wir erste Produkte erwarten? Vielleicht schon zur SPS/ IPC/Drives 2000 im November?
W. Blome: Versprechen kann ich es zur SPS/IPC/Drives 2000 noch nicht, aber wenn es so weiterläuft, dann durchaus. Spätestens jedoch zur Hannover Messe 2001 werden wir Produkte mit Siemens-Automatisierungssoftware präsentieren.
Ich kann mich an das letzte Gespräch erinnern, das war an Ihrem zweiten Arbeitstag hier bei Moeller, da haben Sie gesagt, dass PC-basierte Steuerungssysteme die Zukunft sein werden. Warum haben Sie sich keinen Partner gesucht, der Software-SPS anbietet oder integriert?
W. Blome: Auf dem ganzen Weg der Strategiebeschreibung wird man von heute auf morgen sozusagen nicht digital schlauer, sondern Stück für Stück. Das Unternehmen Moeller braucht die Automatisierung, auch für die Schaltgeräte. Die Ausgangssituation war früher nicht die idealste. Also hätten wir uns entweder an einem entsprechenden Unternehmen beteiligen können oder einen eigenen, langsamen Weg gehen können, der auch wiederum Kooperationen, Joint-ventures benötigt. Nun haben wir konkret den Markt betrachtet. Nach wie vor stehe ich zur PC-gestützten Automatisierung. Dazu gehört auch eine intelligente E/A-Peripherie. Viele kleinere Unternehmen lassen sich nicht erwerben, da sie Eigner geführt sind, selbstständig bleiben wollen und ihren Markt haben. Unser Kauf von Weidmüller Connext war ein glücklicher Zufall. Weidmüller hat sich entschieden, aus der Automatisierungstechnik auszusteigen.
Software basierteLösungen?
Es gab also schon Bestrebungen in Richtung Software basierte Steuerungslösungen?
W. Blome: Seinerzeit haben wir viel von unseren Entwicklern gefordert, die all diese Unternehmen untersucht und bewertet haben. Aber alle haben keine Marktdurchdringung, auch wenn sie innovativ sind. Hinter dem hohen Markt-anteil von Siemens-Hardware steht nicht nur die summarische Addition von verkaufter Hardware, sondern auch noch die vielen Projekteure, Inbetriebnehmer und Serviceleute. Durch die Addition der Simatic-Nutzer erhöht sich der Marktanteil der Siemens-Simatic-Software nochmals.
Wie sieht es denn mit der Software-Steuerungslösung von Siemens aus, der WinAC?
W. Blome: Genau das ist das Thema. Die Kooperation mit Siemens schließt die S7-Hardware gar nicht mit ein, genauso wie bei Moeller die normalen SPS-Steuerungen auch nicht mehr verändert werden. Die laufen mit der IEC 61131-3 weiter und werden gepflegt. Aber unsere neue, PC-gestützte Automatisierung, die wir in Hannover gezeigt haben, wird in Zukunft die Siemens-Technologien nutzen. Nach unten müssen wir es natürlich ergänzen. Unser Steuerrelais Easy wird ergänzt werden und natürlich muss dafür auch das PC-strukturierte Softwarepaket an Siemens-Software angelehnt werden. Dann ist die Steuerungspalette vollständig.
Also war der De-facto-Standard, den Siemens vorgeben wird, entscheidend. Nun bietet Siemens neben Hardware-SPS-Systemen auch die Software-SPS WinAC an, also fast ein interner Wettbewerb. Wie sehen Sie das?
W. Blome: Ich kenne nicht alle Beweggründe von Siemens, aber Siemens stellt sich auch diesem Thema. Siemens besitzt – wie jeder Marktführer – einerseits ausgereifte Produkte z.B. im Hardware-SPS-Bereich. Aber andererseits drängen innovative Firmen mit neuartigen Produkten auf den Markt. Mit Moeller kann der Markterfolg auch einer Software-SPS wie WinAC eine andere Richtung bekommen.
Aber gerade eine Software-SPS bietet in zunehmender vertikaler Integration, also der durchgängigen Kommuni-kation vom Feld- über die Steuerungs- bis in die Unternehmensleitebene, viele Vorteile. Hardware-SPS-Lösungen sehen dabei doch relativ unflexibel aus?
W. Blome: Auch bei der SPS-Hardware ist Siemens nicht von gestern. Wir integrieren die Simatic-Software in unsere neue Hardware und bieten unseren Kunden einen intelligenten Automatisierungsbaukasten. Die total integrierten Produktionen betrachten wir als High-end-Lösungen, die prozentual sehr wenig realisiert sind. Ich glaube, die breite Masse der Anwendungen bleibt auch in Zukunft noch lange ohne ERP-Anbindung.
Wie flexibel ist Moeller, wenn ein Kunde eine Software aus einem anderen Hause auf Moeller-Hardware einsetzen will?
W. Blome: Wir haben uns klar für die Siemens-Software entschieden. Rechts und links davon wird es für uns nichts geben. Wir stehen zu dieser Partnerschaft.
Wie sieht der Fahrplan mit Moeller und Siemens weiter aus?
W. Blome: Es gibt mehrere Projektgruppen, welche sich mit den Programmiersystemen, weiterführenden Softwaretools bis hin zu WinCC, dem Visualisierungspaket, befassen. Dann gibt es noch andere Gespräche in Richtung CAD, also rechts und links von der Automatisierungswelt, bis hin zu den Niederspannungsschaltgeräten. Die einzelnen Arbeitspakete – in unterschiedlicher Intensität – müssen jetzt die Ergebnisse bringen. Letztendlich wird es die Software unter Moeller-Namen geben.
Natürlich ist es auch ersichtlich, dass Siemens durch die Nutzung der Vertriebskanäle von Moeller Vorteile erhält. Welche Bedeutung könnte diese Zusammenarbeit für den Markt, den Automatisierungsmarkt, haben?
W. Blome: Es ist für den Markt ein wichtiges Signal: Der Markt erkennt jetzt: es gibt Innovationen, die ein langes Leben haben. Das ist für den Kunden berechenbar.
Wenn in einer Ausschreibung nun ein Siemens-System steht, dann kann Moeller gleichwertig mit anbieten. Damit sind Sie ja Partner und Wettbewerber gleichzeitig?
W. Blome: In einer Ausschreibung steht nicht nur Software. Es wird eine Lösung ausgeschrieben, die sich genauso stark in Hardware wie in Software differenziert. Nehmen wir an, Sie wollen eine Papiermaschine automatisieren. Dann wird die Papiermaschine nach anderen Prämissen automatisiert wie eine Holzverarbeitungsmaschine. Sowohl in der Software als auch in der Ausrüstung der Geräte, der Sensoren, der Aktoren und der intelligenten Peripherie. Dieses Profil zusammengenommen ergibt die Lösung und da differenzieren wir uns von Siemens. Moeller ist Hardwarespezialist von den Sensoren über die Schaltgeräte bis zur Peripherie mit einer breiten Produktpalette, die kein anderes mittelständisches Unternehmen besitzt. Bei der Software setzen wir auf Siemens, was auch für den Export von Vorteil ist, da sehr viele Endkunden z.B. von Maschinenbauern eine Siemens-Software-Infrastruktur im Unternehmen besitzen.
Wird Moeller in Zukunft auch in anderen Bereichen Kooperationen eingehen?
W. Blome: Die Zusammenarbeit mit Siemens ist keine Einbahnstraße. Z.B. im Bereich der Schaltgeräte kann es auch in andere Richtungen gehen. Wir wollen nicht alles selber machen. Am Endprodukt wird auf jeden Fall die Identität von Moeller stehen und durch eigenes Design gewahrt bleiben.
Im Beispiel der SPS PS4 von Moeller arbeitet also der Anwender mit dem Simatic-look&feel, das er kennt und mit der er jetzt die Moeller Steuerung programmiert?
W. Blome: In der SPS-Szene gibt es nicht nur Ingenieure und Informatiker, sondern auch sehr viele Facharbeiter, die Programmierkenntnisse mit höchster Anstrengung erlernt haben und nicht ständig umlernen wollen. Der Anwender kennt die Programmieroberfläche, die dann bei Moeller die selbe sein wird, wie bei Siemens. So wird der Mensch nicht überfordert und er bekommt ein beruhigendes Gefühl.
Wie grenzen Sie sich gegenüber Siemens konkret ab?
W. Blome: Durch zwei Dinge. Ers-tens haben wir einen intakten guten Vertrieb mit guten Kundenbeziehungen. Da die Preise in etwa gleich sind, spielt also die gute Lieferanten-/Kundenbeziehung eine große Rolle. Wie sich Siemens um seine Kunden kümmert, so pflegen auch wir unsere Kunden. Insbesondere auch im europäischen Ausland ist Moeller stark vertreten. Ich glaube an den Erfolg der Zusammenarbeit, ohne dass der eine oder andere übervorteilt wird. Auch der Automatisierungsmarkt befindet sich im Wandel und so gibt es eine ganze Reihe neuer Anwendungen, wie die Integration von Schaltgeräten in die Automatisierungstechnik und in die Software.
Mit der hohen Marktpräsenz von Simatic-Software könnte ja auch der Preis dafür diktiert werden. Setzt da der Kunde nicht lieber eine individuellere Software ein, bei der er preislich noch etwas machen kann?
W. Blome: Letztendlich hat der Kunde immer das Recht, den Lieferanten einzusetzen, den er bevorzugt und der ihm die beste Lösung mit dem besten Konzept bietet. Da muss natürlich auch der Preis stimmen. Am Ende muss seine Maschine oder Anlage störungsfrei arbeiten. Die Preise orientieren sich natürlich am Markt. Wir hätten gar nicht die Möglichkeit, die Preise in irgendeiner Form zu manipulieren. Es gibt ja noch andere große Anbieter in der Automatisierungstechnik. Letztendlich prägen gerade die Investitionsanstrengungen bei der Softwareentwicklung auch den Preis für Automatisierung.
Wie sieht die neue Struktur bei Moeller aus?
W. Blome: Die alte Struktur bei Moeller war aus kaufmännischer Sicht sehr ordentlich. Jede Einheit ein eigenständiges Unternehmen, Vertrieb nach Ländern aufgeteilt und juristisch selbstständig. Ebenso arbeiteten die Produktionen und Entwicklungsabteilungen eigenständig. Jetzt soll mehr Durchgängigkeit entstehen und damit das Ohr näher am Kunden sein. Die Regelkreise intern – Innovation und Produktion – sowie den externen Regelkreis – Kundenkontakt und Vermarktung von Produkten – haben wir nun in zwei Richtungen aufgebrochen. Je nach Anwendungsgebiet Industrieautomatisierung, Energieverteilung und Gebäudesystemtechnik arbeiten Vertrieb, Produktion, Entwicklung etc. zusammen.
Wie auch z.B. bei Siemens?
W. Blome: Genau. So entsteht für jede Division eine durchgehende Verantwortung von der Produktion über die Entwicklung, das Produktmarketing bis zum Vertrieb – und das weltweit.
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