Expertenmeinungen: 0G-Netze für den Einsatz im Produktionsumfeld

Infrastruktur und Logistik als Vorreiter

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Alle Welt spricht derzeit vom kommenden Mobilfunkstandard 5G, der auch in die Fabrik der Zukunft Einzug halten wird. Eine große Zahl von Anwendungen kommt jedoch mit weit weniger Performance aus. Als Alternative zur Realisierung von Industrie-4.0-Applikationen bieten sich dazu die sogenannten 0G-Netze an. Fünf Statements zum Thema.

Die Fragen stellte Andreas Gees, stv. Chefredakteur elektro AUTOMATION

elektro AUTOMATION: NarrowBand-IoT, LoRaWAN, LPWAN, Sigfox, RPMA, WLAN oder MIOTY sind Alternativen, mit denen industrielle Netzwerke aufgebaut werden können, um Sensoren in Maschinen und Anlagen an die Cloud anzubinden. Welche Lösungen sind aktuell verfügbar und was sind deren wesentliche Funktions- und Leistungsmerkmale?

Phil Beecher (Wi-SUN Alliance): Die Wi-SUN Alliance setzt auf standardbasierte, interoperable Wireless Mesh Field Area Network (FAN)-Technologie, die eine ausgezeichnete Abdeckung bietet, sehr zuverlässig und robust arbeitet, Sicherheit in den Unternehmen bietet und sich auch für sehr große Netzwerke skalieren lässt. Ein Wireless Mesh Network (WMN) ist ein Kommunikationsnetzwerk, das aus Funkknoten besteht, die in einer Mesh-Topologie organisiert sind. Drahtlose Mesh-Netzwerke bestehen meist aus Mesh-Clients, Mesh-Routern und Gateways.

Bernd vom Berg (TH GA): Aktuell kristallisieren sich drei große 0G-Konzepte für die Realisierung von IoT-Netzwerken auf der Sensor-/Aktor-Ebene heraus: NB-IoT, LoRa und Sigfox. NB-IoT befindet sich noch im Aufbau und es gibt zur Zeit nur wenige Module bzw. sofort einsetzbare Geräte für dieses Netzwerk. LoRa dagegen ist wesentlich weiter verbreitet und auch die Anzahl verfügbarer Komponenten ist größer. Die größte Abdeckung und eine sehr große Vielzahl von Komponenten, die weltweit hergestellt und vertrieben werden, bietet jedoch das Sigfox-Netzwerk. Maßgebliche Global Player der Elektronik-Hardware-Branche (NXP, Radiocrafts, Silicon Labs, Texas Instruments, u.a.) stellen Sigfox-Module und fertige Geräte her. Auf der Softwareseite bieten internationale Softwarekonzerne eine große Anzahl von Dashboard-Lösungen an, sodass der Anwender mit geringem Auswand, auf der Basis eines Baukastens, seine eigenen Visualisierungs- und Auswerteanwendungen für PC, Tablet und Smartphone realisieren kann. Außerdem bietet Sigfox auch eine genormte API-Schnittstelle, sodass die Anwender-IT bei Bedarf selbst Lösungen erstellen kann. Diese Vielfalt der vorhandenen Hard- und Softwarekomponenten machen den Einstieg in die Technik sehr einfach, sodass im Wissenschaftsbereich Elektro-/Informationstechnik an der Technischen Hochschule Georg Agricola, Bochum, Sigfox in der Lehre und in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zum Einsatz kommt.

René Dünkler (Fraunhofer): Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickelte eine softwarebasierte Konnektivitätslösung für den Aufbau von sicheren und leistungsfähigen Low Power Wide Area Networks (LPWAN), die vor allem im lndustrieumfeld und in Smart City-Bereich eingesetzt wird. Von den oben genannten Technologien hebt sich MIOTY dadurch ab, dass es derzeit das erste und einzige LPWAN ist, das die gerade veröffentlichte technische Spezifikation ETSI TS 103 357 für sogenannte Low Throughput Networks (LTN) erfüllt. Diese Norm des European Telecommunications Standards Institute (ETSI) schafft eine wesentliche Voraussetzung für die weltweite Interoperabilität von IoT- Komponenten und -Systemen. Technologisch setzt der neue Funkstandard Maßstäbe im Bereich der drahtlosen Datenübertragung hinsichtlich Kosteneffizienz, Reichweite, Batterielebensdauer und Störsicherheit. So kann die robuste Datenübertragung von rund einer Million Sendern mit nur einem einzigen Empfänger sichergestellt werden. Selbst bei einer anspruchsvollen Topologie erzielt die MIOTY-Technologie Reichweiten von bis zu 15 km und zeichnet sich durch eine hohe Energieeffizienz mit Batterielebenszeiten von bis zu 20 Jahren aus.

Aurelus Wosylus (Sigfox): Sigfox ist Initiator des gleichnamigen 0G-Netzwerks, das grenzüberschreitend ohne Roaminggebühren verfügbar ist. Es hat integrierte Geolokalisierungsfunktionen, was es für Logistikapplikationen sowie für Asset-Überwachungs-Funktionen prädestiniert. 140 Nachrichten pro Tag a 12 Byte bieten einen reichen Schatz an Big Data für das Zustands- und Nutzungsmonitoring und Predictive Maintenance. Dies alles bei besonders geringem Energieverbrauch und minimalen Kosten. Adaptive Sensorik kann über Jahre und Jahrzehnte wartungsfrei ohne Batteriewechsel betrieben werden. Anwender brauchen keine eigene Infrastruktur aufzubauen und zu unterhalten. Auch müssen keine SIM-Karten gemanagt werden. Das alles hat beispielsweise DHL bewogen, seine Ladungsträger für Pakete mit Sigfox-basierten Trackern auszurüsten.

Christian Trösch (Blackbox Solutions): Wir entwickeln und vertreiben End-to-End-Lösungen, mit denen eine große Anzahl von Assets in der Supply-Chain kostengünstig sowie unabhängig von Standort und lokaler Infrastruktur verfolgt werden kann. Die Transparenz von Logistik- und Produktionsprozessen innerhalb der Supply-Chain wird deutlich erhöht und eröffnet neue Möglichkeiten der Wertschöpfung und Kosteneinsparungen, die in dieser Form bisher nicht möglich waren. Neben der intelligenten Verarbeitung der Daten in der Software zur Prozess-Steuerung und Optimierung, welche letztendlich den konkreten Mehrwert für den Kunden darstellt, kommt den Sensoren eine wichtige Bedeutung zu. Diese müssen entlang der Lieferketten ihre Daten robust liefern, standort- bzw. länderübergreifend sowie unabhängig von lokaler Infrastruktur. Zudem müssen die Sensoren möglichst lange autark am jeweiligen Asset betrieben werden können, um die Betriebskosten auf ein Minimum zu reduzieren. Wir setzen aus diesem Grund Sensoren ein, die ihre Daten über das Sigfox-0G-Netzwerk senden. Das Unternehmen liefert als Netzwerk-Betreiber die Infrastruktur für einen länderübergreifenden Einsatz der Geräte. Zudem können die Geräte mit sehr geringem Energieverbrauch betrieben werden, wodurch eine hohe Batterielebensdauer und geringe Total Cost of Ownership erreicht werden.

elektro AUTOMATION: Wie hoch ist der Aufwand für die Implementierung von Anwendungen? Welche Hard- und Software wird benötigt? Wie groß ist der Bereich oder die mögliche Gerätedichte? Sind SIM-Karten erforderlich? Welche Datenmengen sind möglich und wie wird abgerechnet?

Beecher: Die Bereitstellung ist sehr einfach, da sich das drahtlose Mesh-Netzwerk selbst aufbaut und im Falle vorübergehender Störungen selbst heilt. Die Hard- und Software für ein Wi-SUN-Field-Area-Network ist von einer Vielzahl von Anbietern erhältlich und von der Wi-SUN Alliance auf Konformität zertifiziert. Die Abdeckung ist sehr gut, eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung kann über mehrere hundert Meter bis zu mehreren Kilometern aufgebaut werden. Die Gerätedichte ist ebenfalls sehr gut.

Berg: Auf der Hardwareseite hat man bei der Realisierung von Sigfox-Endgeräten verschiedenste Optionen zur Verfügung. Zum einem kann man eine Vielzahl fertiger Sensor-/Aktor-Geräte von unterschiedlichen Kooperationspartnern weltweit kaufen (Tschechien, Frankreich, Italien, Spanien, etc.), wobei allerdings gerade in Deutschland noch relativ wenige Hersteller zu finden sind. Die zweite Möglichkeit besteht darin, eine eigene Stationsentwicklung zu betreiben. Hierzu stehen programmierte und lizensierte Module oder Endgeräte von unterschiedlichen Herstellern zur Verfügung, die den Protokollstack und die gesamte HF-Sende-/Empfangsstufe kombinieren. Der Anwender braucht dann lediglich das HF-Ausgangsfilter und die Antenne anzuschließen. Diese Einheiten können dann über SPI- oder I2C-Bus mittels AT-Befehlen von beliebigen Mikrocontrollern aus angesteuert werden. Eine Vielzahl von so genannten Maker-Boards unterstützen solche Eigenentwicklungen, zumal das Sigfox-Protokoll mittlerweile auch offen gelegt worden ist. Selbstverständlich existieren auch Lösungen mit Kombinationen aus WLAN-, BLE-, GPS-und GSM-Einheiten und damit erreicht man eine extrem hohe Flexibilität im jeweiligen Einsatz. Alle Sigfox-Station lassen sich mit wenigen menügeführten Mausklicks im Netzwerk anmelden und sind sofort betriebsbereit. Die Kosten für die Nutzung des Netzwerkes werden pro Station und pro Jahr abgerechnet. Hierbei ist je nach Anzahl der eingesetzten Einheiten mit geringen Beträgen zu rechnen. Das Uplink-Nutzdatenfeld im Telegramm einer Sensor/Aktor-Station ist 12 Byte groß. Das ist für eine Vielzahl von Anwendungen mehr als ausreichend.

Dünkler: Das technische Fundament der MIOTY-Technologie bildet ein asymmetrisches Übertragungsverfahren in einer Netzkonfiguration mit vielen einfachen energiearm betriebenen Endgeräten sowie einer Basisstation mit einem leistungsfähigen Empfänger. Hierbei sorgt die gezielte Telegrammaufteilung (Splitting) für eine überragende Robustheit gegenüber großen Störern in einem stark genutzten Frequenzspektrum und gewährleistet eine Datenübertragung vom Endgerät zur Basisstation mit außerordentlich hoher Übertragungssicherheit. Weitere Vorteile für den Endkunden ergeben sich durch die minimierte Komplexität bei der Installation, niedrige Infrastrukturkosten sowie die Möglichkeit, die Technologie als privates Netzwerk zu nutzen. Zudem zeichnet sich die Technologie durch ihre ausgeprägte Energieeffizienz aus. Wie die meisten LPWAN-Systeme arbeitet auch die MIOTY-Technologie im lizenzfreien Sub-GHz-Frequenzspektrum, in sogenannten ISM- (Industrial, Scientific and Medical) oder SRD- (Short Range Devices) Bändern. Das MIOTY-Protokoll überträgt in diesen Bändern mit Bandbreiten von 100 KHz bis 1,5 MHz. Der Vorteil dieser Bänder ist, dass dort ohne Lizenzgebühren übertragen werden kann. Dies macht die ISM-/SRD-Bänder auch für andere Anwendungen attraktiv. Durch die Nutzung des patentierten Telegram-Splittings kann die Netzwerkkapazität gegenüber LPWANs ohne Splitting extrem gesteigert werden. So können MIOTY-Netzwerke Millionen unabhängige Endgeräte (Endknoten) mit einer Basisstation verbinden und trotzdem die Koexistenz mit anderen Funksystemen gewährleisten.

Wosylus: Der Aufwand ist von der Komplexität des Projektes abhängig. Das beginnt bei einfachen Temperatursensoren und kann bis zu 0G-Massenapplikationen mit einer komplexen Cloudlösung, Blockchain und automatischer Abrechnung der Nutzung einer Maschine reichen. Bei DHL haben wir beispielsweise mit Alps als EDM-Dienstleister zusammengearbeitet, da es hier um hunderttausende Devices geht. Die Software in der Cloud hat DHL selbst entwickelt. Eine Sigfox-0G-Basisstation kann bis zu 1 Million Devices verwalten. Das kann keine 3G-, 4G- oder 5G-Basisstation. Die Reichweite von Sigfox-Devices etwa 3 km bei dichter Bebauung. Wichtig ist die Netzabdeckung, weil man Devices nur da einsetzen kann, wo sie gegeben ist. Bei Sigfox ist die Netzabdeckung in Deutschland weit fortgeschritten; bei Outoor-Applikationen etwa 85 % (Indoor über 55 %). Einzig im Deep-Indoor-Bereich – z.B. in unterirdischen Wasserversorgungsnetzen – müssen Repeater eingesetzt werden. Jedes Device hat eine ID, eine SIM-Karte wird nicht benötigt. Das erleichtert die Inbetriebnahme und das Management. Abgerechnet wird mit dem Devicehersteller, und dieser erhält von Sigfox einen zur Applikation passenden Volumentarif ohne jegliche Roaminggebühr. Dieser startet ab rund 1 Euro pro Jahr und beinhaltet rund 52.000 Nachrichten.

Trösch: Bei der Entwicklung von Applikationen ist der Aufwand zur Integration von Sigfox-Geräten gering und erfolgt im Wesentlichen durch die Anbindung an das Backend. Die Herausforderung liegt auf der nachfolgenden Verarbeitung und Aufbereitung der Daten von beliebig vielen Geräten zu den jeweiligen Prozess-Daten. Hierfür ist ein effizientes und performantes Data- und Device-Management erforderlich, sowie Funktionalitäten in der Software, um aus den Rohdaten der Sensoren die wertschöpfenden Prozessdaten zu generieren und bereitzustellen. Hierauf liegt auch der Haupt-Augenmerk unserer Entwicklung. Sensoren werden bei der Montage an das jeweilige Asset automatisch im Netzwerk aktiviert und sind dann sofort in unserer Software verfügbar. Von dieser Einfachheit profitieren direkt auch unsere Kunden – durch geringen Handlings-Aufwand.

elektro AUTOMATION: Für den Zugriff auf Unternehmensdaten an internationalen Standorten ist eine internationale Netzwerkabdeckung erforderlich. Wie steht es um die Verfügbarkeit?

Beecher: Auch große Datenmengen können unterstützt werden. So erfordern Smart-Meter-Netzwerke typischerweise Zählerleseintervalle von weniger als 10 Minuten: Tepco beispielsweise verwaltet ca. 60 Millionen Zählerstände pro Stunde. Da Zuverlässigkeit auch in einem Smart-Meter-Netzwerk entscheidend ist, verwendet Wi-SUN globale Standards für die Kommunikationstechnologie und kann so auch auf globalen Support zurückgreifen.

Berg: Sigfox ist sicherlich das zur Zeit weltweit flächendeckend am weitesten verbreitete 0G-Netzwerk. In Deutschland beträgt die Netzabdeckung 85 %. Darüber hinaus ist Sigfox in 60 Ländern verfügbar und erreicht aktuell mehr als 1 Milliarde Menschen. Ende 2019 soll in Zusammenarbeit mit Eutelsat der erste Sigfox-Satellit ins Weltall gebracht werden. Damit wird durch das Sigfox-Netzwerk Ende 2020 rund 90% des weltweiten BIP abgedeckt werden. In der Realität sieht es bereits heute schon so aus, dass man z.B. Sensoren in Australien oder Südafrika installieren kann und spätestens nach 30 Minuten erhält man die Werte auf seinem Schreibtisch in Deutschland. Länder- und Kontinentgrenzen stellen kein Problem mehr da, unvermeidliche ´Funklöcher´ lassen sich durch Repeater-Stationen ausfüllen oder man setzt die Sigfox Access Station Micro ein, mit der man ein lokales Unternetzwerk betreiben kann, das eine Outdoor-Fläche von bis zu 50 km2 abdeckt. Zur Cloudanbindung ist dann lediglich ein Internetanschluss oder eine GSM-Verbindung notwendig.

Dünkler: Das MIOTY-Protokoll wurde als reine Software konzipiert. Ein Sensornetzwerk besteht aus einfachen, kostengünstigen Sensorknoten und mindestens einer leistungsfähigen Basisstation. Durch die Verwendung einer MSK-Modulation (Minimum Shift Keying) können viele der auf dem Markt erhältlichen Sub-GHz-Funk-ICs für MIOTY verwendet werden. Senderseitig kommen neben den Sensoren also Standard-ICs zum Einsatz. Damit haben Endgeräteentwickler und Anwender den Vorteil einer Second Source und können von den geringen Kosten für die in großen Stückzahlen gefertigten ICs profitieren.

Wosylus: Sigfox ist weltweit auf allen fünf Kontinenten präsent und bereits in 60 Ländern und teils bereits auch auf dem Meer verfügbar. Das 0G-Netzwerk umfasst derzeit 5 Millionen Quadratkilometer und steht 1 Milliarde Menschen zur Verfügung. Damit wird 90 % des globalen BIPs erreicht. Volle Landesabdeckung gibt es bereits in 21 Ländern, in 39 Ländern erfolgt derzeit der Ausbau. Allen voran ist dabei Deutschland mit bereits 85 % Netzabdeckung zu nennen. In Europa sind damit alle Länder entweder bereits voll ausgebaut oder werden binnen 2 Jahren mindesten zu 85 % ausgebaut sein.

Trösch: Anwendungs-Szenarios in der Supply-Chain finden standortübergreifend, oft auch länderübergreifend statt. Die Geräte müssen in der Lage sein, an den jeweiligen Standorten Daten zu erfassen und zu senden, um so z.B. den Durchlauf eines Ladungsträgers an einem bestimmten Standort als Prozess-Schritt in der Software zu erfassen. Die länderübergreifende Netzwerk-Infrastruktur im Sigfox 0G-Netzwerk schafft für uns die Voraussetzung, um die Daten an verschiedenen Standorten zu erfassen, auch länderübergreifend. In unserer Lösung kommen aktuell Geräte zum Einsatz, die mit der Regionalzone 1 (Europa, Afrika und Mittlerer Osten) kompatibel sind – d.h. wir können alle Anwendungsfälle abdecken, die in diesem geografischen Gebiet stattfinden. Sobald Sigfox-Geräte verfügbar sind, die zonenübergreifend arbeiten, so können wir den Anwendungsbereich unserer Lösung direkt auch auf weitere Gebiete ausdehnen. Mithilfe einer kleinen Basis-Station können wir für jeden Anwendungsfall sicherstellen, dass neben der vorhandenen Netzabdeckung auch prozesskritische Standorte abgedeckt sind.

elektro AUTOMATION: Erste Applikationen sind aus der Logistik bekannt. Gibt es Applikationen im Produktions- und Fabrikumfeld? Welche Applikationen sind überhaupt denkbar?

Beecher: Wi-SUN eignet sich in erster Linie für umfangreiche Infrastrukturprojekte. Die Tokyo Electric Power Company verfügt über 22 Millionen Smart Meter in einem drahtlosen Mesh-Netzwerk, Florida Power and Light über 4 Millionen Smart Meter und 500.000 Straßenlaternen im selben Netzwerk in Miami. Europäische Applikationen von Straßenlichtnetzen sind in Kopenhagen (20.000 Straßenlaternen) und in der City of London (18.000 Straßenlaternen) realisiert. SIM-Karten sind nicht erforderlich, aber jedes Gerät hat ein eingebranntes X509-Zertifikat, das PKI-Sicherheit für die Geräteauthentifizierung und Schlüsselverwaltung bietet.

Berg: Das Sigfox-Netzwerk eignet sich besonders für flächenmäßig ausgedehnte Applikationen. Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben wurden an der Technischen Hochschule Georg Agricola, Bochum, bereits verschiedene Projekte realisiert, die teilweise seit mehr als zwei Jahren im praktischen Einsatz sind. Die nachfolgenden Monitoring-Systeme wurden mit kommerziellen Stationen der Partner und mit Eigenentwicklungen aufgebaut. Für die PC/Tablet/Smartphone-Daten-Visualisierung und -auswertung auf der Anwenderseite kommen Web-basierte kommerzielle und Freeware-Dashboard-Baukästen zum Einsatz. In Zusammenarbeit mit der Ruhrkohle AG (RAG) wurde ein Deutschland-weites Monitoring- System zur Überwachung von altbergbaulichen Schächten konzipiert und aufgebaut. Solche nicht mehr genutzten, aber bereits verfüllten Schächte können zu Gefährdungen an der Erdoberfläche führen, wenn die Schachtsäule nach unten hin wegsackt. Mit dem Monitoring-System Smart Mining werden die relevanten Schachtparameter (Tiefe der Füllsäule, langsame bzw. schlagartige Bewegung der Füllsäule) kontinuierlich durch Sigfox-Stationen erfasst und über das Netzwerk an eine zentrale Stelle gemeldet. So kann in kritischen Fällen sofort reagiert und Stabilisierungsmaßnahmen für den Schacht durchgeführt werden. In weiteren Ausbaustufen können zusätzliche Parameter erfasst werden, wie zum Beispiel ausströmende Gase oder ansteigendes Grundwasser. In dieser Anwendung macht sich der energiearme Betrieb positiv bemerkbar.

Dünkler: Im Fokus stehen in erster Linie die Anwendungsfelder Smart City und Industrial IoT Beispiele für geeignete Anwendungen in einer vernetzten Stadt sind vor allem die großflächige Überwachung von Umweltparametern wie Feinstaub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lärm sowie die automatische Übertragung von Gas-, Wasser- und Stromdaten (Smart Metering). Auch die Gebäudeautomation und -überwachung oder Anwendungen im Rahmen des Verkehrsmanagements wie das Parkflächenmanagement (Smart Parking) werden bereits in verschiedenen Projekten umgesetzt. Die MIOTY-Technologie ist in gleicher Weise prädestiniert für Industrial IoT oder Industrie 4.0. Zu den möglichen Anwendungen gehören die vernetzte Fertigung (Intelligent Networked Manufacturing), die vorausschauende Instandhaltung von Produktionsmaschinen (Predictive Maintenance), die fabrikinterne Logistik (z. B. Asset Tracking) sowie das Thema Arbeitssicherheit – um nur einige Anwendungsbeispiele zu nennen. Auch extremen Herausforderungen im Bergbau oder bei der Öl- und Gasförderung kann MIOTY als robustes Funknetzwerk begegnen. Dort wird in der Regel eine hohe Störfestigkeit verlangt. Weitere Anwendungen umfassen die Überwachung sog. kritischer Infrastrukturen (KRITIS), deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen nach sich ziehen kann. Weitere Anwendungspotenziale ergeben sich mit der MIOTY-Technologie in den Bereichen Mobilität, Safety & Security sowie Mobile Health. Um diese Anwendungspotenziale zu heben, wird die MIOTY-Technologie aktuell um technische Zusatzfunktionen wie raumgenaue Indoorlokalisierung sowie Energy Harvesting ergänzt.

Wosylus: An das 0G-Netz von Sigfox sind bereits rund 10,2 Millionen Objekte angebunden. Im Produktions- und Fabrikumfeld ist das Netz stark im Zustands- und Nutzungsmonitoring. Neue nutzungsbasierte Geschäftsmodelle und punktgenaue Predictive Maintenance werden so möglich. Das kann recht schnell umgesetzt werden mit passenden USB- oder RS-232/422/485-Sticks, die man an die Wartungsschnittstellen steckt. Später werden dann die Antriebe, Pumpen und Automatisierungskomponenten beziehungsweise Maschinen und Anlagen mit integrierten 0G-Schnittstellen in die Fabrik Einzug halten. Hierzu bauen führende OEM gerade an neuen Generationen ihrer Lösungen. Weitere Anwendungsbereiche sind das Bestandsmanagement durch den Lieferanten. Hierzu wird es für Sigfox langftistig Lösungen geben, deren Logik nur wenige Cent kostet und die einfach auf das Produkt oder die Verpackung aufgeklebt oder in sie eingebettet werden kann. Heute sind die Anwendungsfelder vor allem Logistikapplikationen, weil das Netz dafür schnell genutzt werden kann, da die flächendeckende Outdoor-Abdeckung vor der Indoor-Abdeckung erreicht wird. Für letztere ist eine Netzverdichtung erforderlich, die 0G-Netz-Anwender mit der Access Station Micro selbst durchführen können.

Trösch: Supply-Chain-Management und Logistik werden oft als Synonym verwendet. Das Supply-Chain-Management geht jedoch über die reine Logistik hinaus und bildet die gesamte Lieferkette über Beschaffung, Produktion und Absatz ab. Dabei werden relevante Daten erfasst und analysiert, um damit Objektflüsse entlang der Prozessstufen zu steuern und zu gestalten, also effizienter zu machen. LPWAN-Technologien in Kombination mit intelligenten Sensoren sowie der richtigen Software, um aus den Rohdaten die für das Supply-Chain-Management relevanten Daten zu erzeugen und diese in der richtigen Form bereitzustellen – bieten die Möglichkeit, bereichsübergreifende Daten innerhalb der Supply-Chain zu erfassen. Durch die Verfolgung auf Objektebene ist es möglich, z.B. Prozessdaten aus der Beschaffungslogistik und gleichzeitig auch Daten aus der Produktionslogistik mit ein und demselben Sensor zu erfassen. Dies setzen wir in unserer Lösung ein, sodass wir Daten aus standortübergreifenden Transportprozessen und Daten aus der Produktionslogistik innerhalb eines Standortes erfassen und auswerten.

www.wi-sun.org

www.thga.de

hier.pro/fav0N

www.sigfox.de

www.bx-s.de

Weitere Informationen zum

Thema gibt die Seite

http://hier.pro/e5tZ2

Wi-SUN Alliance

Phil Beecher

111 Deerwood Road, Suite 200

San Ramon, CA 94583

Tel: +1 925-831-4750

Mail: info@wi-sun.org

Technische Hochschule Georg Agricola

Wissenschaftsbereich Elektro-/Informationstechnik

und Wirtschaftsingenieurwesen

Prof. Dr.-Ing. Bernd vom Berg

Herner Str. 45

44787 Bochum

Tel.: 0234 / 968 – 3399

René Dünkler

Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS

Lokalisierung und Vernetzung

Nordostpark 84

D-90411 Nürnberg

Tel. +49 911 58061-3203

Sigfox Germany GmbH

Aurelus Wosylus

Bretonischer Ring 6

85630 Grasbrunn

Handelsregister: HRB 236522

Registergericht: München

Tel. +49 89 -2098 78 01

munich@sigfox.com

Blackbox Solutions GmbH

Christian Trösch

Emmy-Noether-Ring 18

85716 Unterschleißheim

Tel. +49 89 2190 973 66

www.bx-s.de


Phil Beecher, Präsident und CEO der Wi-SUN Alliance, San Ramon, CA/USA
Bild: Wi-SUN Alliance

„Die Wi-SUN Alliance setzt auf standardbasierte, interoperable Wireless-Mesh-Field-Area-Network-Technologie.“


Prof. Dr.-Ing. Bernd vom Berg, Technische Hochschule Georg Agricola in Bochum
Bild: TH Georg Agricola

„In Kooperation mit RAG wurde ein Deutschland-weites Monitoring-System zur Überwachung von altbergbaulichen Schächten konzipiert und aufgebaut.“


René Dünkler, Marketing, Fraunhofer-Institut IIS in Nürnberg
Bild: Fraunhofer IIS

„Ein MIOTY-Sensornetzwerk besteht aus einfachen, kostengünstigen Sensorknoten und einer leistungsfähigen Basisstation.“


Aurelus Wosylus, Chief Sales Officer bei Sigfox Germany in München
Bild: Sigfox

„An das 0G-Netz von Sigfox sind bereits rund 10,2 Millionen Objekte angebunden.“


Christian Trösch, Head of Sales, Blackbox Solutions GmbH in Unterschleißheim
Bild: Blackbox Solutions

„LPWAN-Technologien in Kombination mit intelligenten Sensoren sowie der richtigen Software bieten die Möglichkeit, Daten innerhalb der Supply-Chain zu erfassen.“

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