Allgemein

Die Sicht des Gehäuse-Spezialisten

Uwe Scharf von Rittal
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Industrial Ethernet ist zurzeit eines der meistdiskutierten Themen im Automatisierungsumfeld, an die Anbieter von Gehäusen und Schaltschränken wird in diesem Zusammenhang aber nur selten gedacht. Dass aber auch sie von dieser neuen Technologie „umgetrieben“ werden, verdeutlicht Uwe Scharf von Rittal im Interview mit der elektro Automation.

eA: Herr Scharf, Rittal wird als Schaltschrank-Spezialist nicht unbedingt mit dem Bereich Industrial Ethernet in Verbindung gebracht. Ist der Ethernet-Einzug in das Industrie-Umfeld für Sie von Bedeutung und – wenn ja – in welcher Hinsicht und für welche Produkt- bzw. Unternehmensbereiche?

Scharf: Selbstverständlich, bei jeder technologischen Veränderung im industriellen Bereich sind natürlich auch Gehäuse, Elektronik, Klimatisierung und die Energieverteilung betroffen. Genau hier liegen Kernkompetenzen von Rittal. Als weltweit produzierendes Unternehmen sind wir selbst daran interessiert, weltweit verfügbare Technologien und Standards zu implementieren. Damit sitzen wir im gleichen Boot wie unsere global agierenden Kunden und verstehen deren Anforderungen bei der Realisierung einer durchgängigen Kommunikation. Als Gehäuselieferant wissen wir seit Jahren, dass die Bustechnologien professionelle Gehäuse erfordern. Gerade für den Vor-Ort-Einsatz von Bediengeräten, Steuerungen oder Remote-I/Os haben wir eine Vielzahl an Produkten entwickelt. Die Ethernet-Technik spielt eine besondere Rolle, da uns die Konzepte der strukturierten Verkabelung aus der Tätigkeit im IT- und Gebäudesektor bekannt sind. Diese Erfahrungen können wir jetzt mit dem Know-how für Industriegehäuse kombinieren und an unsere Kunden weitergeben. Wir begrüßen daher sehr die Initiativen der Feldbusorganisationen (z.B. Iaona), die strukturierte Verkabelung in den industriellen Bereich zu übertragen. Wir werden diesen Trend mit entsprechenden Produkten unterstützen (Unterverteiler, Patchfelder, Anschlussmodule, IP67-Anschlussdosen usw.). Dies gilt natürlich auch für unsere aktiven Komponenten aus dem Bereich Elektronik, Klima oder Überwa-chung, welche mittlerweile vermehrt mit Kommunikationsschnittstellen ausgerüstet werden. Was liegt näher, als auch da auf die Ethernet-Technologie zu setzen.
eA: Sehen Sie sich vor allem als Lieferant einer industriegerechten, robusten „Hülle“ für Ethernet-Produkte aus der Büro-Welt oder stellen auch die Industrie-Versionen neue Anforderungen?
Scharf: Beides. Häufig werden aus Kostengründen oder wegen der Verfügbarkeit am Markt Komponenten, die ursprünglich nur für die Büroumgebung konzipiert waren, in Fabrikhallen eingesetzt. Durch professionelle Gehäusekonzepte inklusive Kabeleinführungen, Klimatisierungen etc. lässt sich auch für solche Komponenten ein Schutz gegen Staub, Feuchte und hohe Temperaturen realisieren. Dort wo höchste Anforderungen an die Verfügbarkeiten gestellt werden, kommen spezielle Industrie-Versionen zum Einsatz. Für solche Einsatzbedingen stehen Lösungen für extreme Schutzarten (bis IP69K, EMV-Verhalten) zur Verfügung. Neben den Produkten erwarten die Anwender hier eine intensive Beratung bzgl. der optimalen Lösung.
eA: Profitieren Sie in diesem Zusammenhang von Ihrer langjährigen Erfahrung im IT-Umfeld?
Scharf: Natürlich, wie schon erwähnt kennen wir die strukturierte Verkabelung und deren Anforderungen seit vielen Jahren aus dem Bereich IT. Hier haben wir einen klaren Vorteil gegenüber Herstellern, die bisher rein im industriellen Umfeld tätig waren. Durch unsere Plattformstrategien können wir sehr leicht Anwendungen aus der IT in den Industriebereich oder umgekehrt überführen. Nehmen Sie z.B. den Anwendungsfall, dass ein Server mit passender Adaptionsschiene im Industrieschrank eingesetzt werden soll oder eine hohe Schutzart für ein Netzwerkgehäuse erforderlich ist. Auf Grund der bereichsübergreifenden Lösungskompetenz und dem umfassenden Zubehörprogramm ist Rittal ein kompetenter Partner für Gehäuselösungen in der industriellen Kommunikation.
eA: Wie beurteilen Sie die ja auch für Ethernet-Komponenten geltende Tendenz zur Dezentralisierung – mit entsprechend sinkendem Bedarf an Schaltschränken bzw. Schaltschrankvolumen?
Scharf: Die Dezentralisierung ist für uns nichts Neues und hat bereits vor zehn Jahren mit dem verstärkten Einsatz von Feldbussystemen begonnen. Wir haben damals schon reagiert und unsere Geschäftseinheit Schaltschranktechnik mit einer Reihe von Produkten für die dezentrale Automatisierung erweitert. Die zunehmende Verlagerung von zum Teil PC-basierten Steuerungseinheiten in die Anlage steigert ständig den Bedarf und die Anforderungen an lokal zu installierender Elektronik. Mittlerweile haben wir einen eigenen fast 300 Seiten starken Katalog, der sich nur mit dezentralen Systemen für die Mensch-Maschine-Schnittstelle beschäftigt (u.a. Industrial Workstations, Operator Panels und Eingabesysteme wie Tastaturen und TFTs mit Touch). Aber für die Großschränke gibt es weiterhin ausreichend Anwendungsfälle, z.B. im Bereich der elektrischen Energieverteilung. Gerade für große Leistungen wird auch zukünftig kein Weg am Großschrank vorbeiführen.
eA: Inwieweit spiegelt sich die wachsende Bedeutung von Ethernet bei Ihren Neuheiten zur Hannover Messe wider?
Scharf: Die diesjährige Hannover Messe steht bei Rittal ganz unter dem Motto „Faszination Zukunft“. Ethernet in der Automation ist in diesem Zusammenhang natürlich ein wichtiges Thema, dem auf unserem Stand besondere Bedeutung beigemessen wird. In allen Bereichen kommen Ethernet basierende Lösungen zum Einsatz. Unser komplettes Netzwerk werden wir auf einem Leitstand (Basis Rittal Industrial Workstation) visualisieren. Die komplette Infrastrukturüberwachung (Zugriff, Klima, Power) für die installierten Applikationen wird über das Ethernet basierende CMC-TC-Überwachungssystem erfolgen.
eA: Welche Entwicklungen – unabhängig von Ethernet – sehen Sie in diesem Jahr als Ihre Messe-Highlights an?
Scharf: Im Zentrum unserer Innovationen stehen neue Technologien zur Oberflächenveredelung: die Aluminierung, Zinkphos-phatierung und die Nano-Lackierung. Mit den neuen Verfahren erreichen wir eine hervorragende Oberflächenbeschaffenheit und sehr guten Korrosionsschutz z.B. für Outdoor-Komponenten. Da diese Lösungen nicht nur technologisch Zeichen setzen, sondern auch noch sehr wirtschaftlich einsetzbar sind, können wir unseren Kunden hier deutliche Wettbewerbsvorteile bieten. Auf Grund der erstmals gemeinsamen Durchführung von Hannover Messe und Interkama haben wir dem Thema „Integra-tion“ und sichere Einbindung in die Automatisierung einen sehr hohen Stellenwert eingeräumt. Wir haben eine Vielzahl von technologischen und funktionalen Highlights in reale Applikationen verpackt, um diese für den Anwender erlebbar zu machen (z.B. Leitstände, Ex-Konzepte, Klima-Konzepte, modularer Schaltschrank).
zg
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der experte
Uwe Scharf ist Leiter Strategisches Marketing der Rittal GmbH & Co. KG in Herborn, einem Unternehmen der Friedhelm Loh Group. In dieser Funktion betreut er weit über 8000 sofort lieferbare Standard-Produkte, vom Schalt- und IT-Schrank über das passende Elektronik-Packaging-Konzept bis hin zu den ergänzenden Stromverteilungskomponenten, Klima-Units und Outdoor-Lösungen.

eA-INFO-TIPP
Zu den Rittal-Innovationen auf der Hannover Messe zählt die Gehäuselackierung per Nanotechnologie. Vielfältige Grundlagen sowie Bewertungen bietet hierzu die Technologieanalyse „Innovationsschub aus dem Nanokosmos“, die das VDI-Technologiezentrum Physikalische Technologien, Abteilung Zukünftige Technologien, im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie erstellt hat:
www.vdi.de/vdi/organisation/ schnellauswahl/techno/ arbeitsgebiete/zukunft/sub/ 02198/index.php
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